Kultur : KUNST

JULIA REHDER

Ein Gesicht ist ein Gesicht, ist ein Gesicht - von wegen.Erst recht nicht, wenn es mal gemalt, mal fotografiert und mal als Büste dargestellt ist.Denn gerade die dreidimensionale Sichtweise eröffnet einen neuen Blickwinkel und kommt in ihrer Gesamtheit dem porträtierten Motiv, in diesem Fall dem menschlichen Antlitz, am nächsten.Diese Erkenntnis umzusetzen, ist den drei Künstlerinnen Ellen Fuhr (Malerin), Aiga Müller (Bildhauerin) und Elke Nord (Fotografin) eher unbeabsichtigt gelungen.Unter dem Titel Trau Deinen Augen.Drei Wege zu einem Bildnis (die Ausstellung in der Festspielgalerie läuft noch bis zum 7.November) haben sie den Versuch unternommen, zehn Gesichter mit Hilfe von drei unterschiedlichen Medien darzustellen und dabei die Wirklichkeit gleichsam verzerrt und auf den Kopf gestellt.Die Künstlerinnen wollten "genau hinschauen" und auf die fehlende visuelle Verständigung in unserer Gesellschaft hinweisen.Meist halten nur Kinder und Liebende einem längeren Blick stand.Gleichzeitig verstehen sie ihre Ausstellung als Aktion gegen Entmenschlichung und Vereinsamung und das natürlich "ganz ohne Pathos".Wie das zusammenpaßt? Herausgekommen ist ein sehr heimelig anmutendes Ambiente, das den Betrachter eher verschreckt als beflügelt: Elke Nord hat neben ihrer Familie Kollegen und Nachbarn fotografiert.Aiga Müller hat in ihren Scherbenporträts auch Teddybären und Henkeltassen zu Verzierung verwendet - die Grenze zum Kunstgewerbe verwischt.Lediglich Ellen Fuhr entfernt sich aus dem eigenen Umkreis.Sie verfremdet ihre Gemälde deutlich und erreicht eine allgemeingültigere Aussage: mal gibt sie durch Gitterstäbe die Einsamkeit der entsprechenden Person preis, mal signalisiert ein Totenkopf die Endlichkeit menschlicher Existenz.Erstaunlicherweise sind es nur selten die Fotografien, die dem Original am meisten ähneln.Gerade dieses Jonglieren mit den Erwartungen der Besucher macht die Ausstellung real und somit wiederum sehenswert: durch die gestochen scharfen Augen der Porträtierten wird schließlich der Besucher selber zum Objekt der Beobachtung.

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