Kunstaktion : Proteste in Nürnberg gegen Brunnenverhüllung

Der Münchner Künstler Olaf Metzel hat die umstrittene Verhüllung des Schönen Brunnens in Nürnberg als einen Beitrag zur "Neuentdeckung" des gotischen Bauwerks verteidigt.

Nürnberg - "Ich bin sicher: Viele Nürnberger werden nach dem Ende der zweimonatigen Verdeckung ihren Schönen Brunnen ganz neu entdecken", sagte Metzel bei einem Besuch in der fränkischen Metropole.

Sein Entwurf sieht eine aus rund 1000 ausgemusterten Stühlen des Berliner Olympia-Stadions gebildete Doppelhelix vor, die sich um den Schönen Brunnen windet. Die 17 Meter hohe Skulptur mit dem Titel "Auf Wiedersehen" ist Teil des Kulturprojektes "Das große Rasenstück", das während der Fußball-WM mit mehreren Großskulpturen und Videoinstallationen den Hauptbahnhof mit der Nürnberger Burg verbinden soll. Der Beginn der Umhüllung Ende vergangener Woche hat eine Welle des Protestes in Nürnberg ausgelöst.

Auch am Montag sorgten Aufbauarbeiten auf dem Nürnberger Hauptmarkt für Unmut. Am Vortag hatte sogar die Polizei einschreiten müssen, um verärgerte Bürger am Zutritt der abgesperrten Baustelle zu hindern. Immer wieder bildeten sich rund um den Schönen Brunnen diskutierende Gruppen von Bürgern, die die Umhüllung von Nürnbergs Wahrzeichen als "Bürgerbeleidigung" und eine "Schande für Nürnberg" bezeichneten. Auch Touristen, bei denen der Brunnen ein beliebtes Fotomotiv ist, reagierten auf die Einrüstung des Brunnens verständnislos.

Metzel zeigte sich von der schroffen Reaktion vieler Passanten nicht sonderlich überrascht: "Ich finde es ganz prima, dass die Nürnberger ihren Schönen Brunnen verteidigen." Ihm sei nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Brunnen bewusst, was er den Nürnbergern bedeute: "Der Schöne Brunnen hatte als einziges Bauwerk die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg überstanden."

Zugleich räumte der frühere documenta-Künstler ein, dass er zeitweise mit dem Gedanken gespielt habe, seine Skulptur in der gegenüberliegenden Ecke des Hauptmarktes dem Schönen Brunnen als Symbol des 21. Jahrhunderts entgegenzusetzen. Dies hätte aber weder dem Konzept des städtischen Kulturamtes entsprochen noch sei es wegen der dort langfristig vermieteten Marktstände praktikabel gewesen.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) mahnte zu Gelassenheit. Die Bürger sollten erst urteilen, wenn die Skulptur vollendet sei. Moderne Kunst könne neue Ein-, Aus- und Durchblicke verschaffen. Und sie müsse sich bemerkbar machen - "manchmal auch, indem sie sich den Menschen in den Weg stellt, gelegentlich indem sie provoziert". (tso/dpa)

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