Kunstauktion : Art Basel Miami Beach: Party war gestern

Auf der Art Basel Miami Beach halten sich die Käufer zurück. Die Händler setzen auf kleinere Formate.

Christiane Meixner

Einmal gepustet, schon schwanken die flachen Gestalten aus Papier durch das grüne Wasser. „Green Pool“ (180 000 Euro) heißt die wunderbare Installation mit kämpfenden Männern und Hunden, die sich Öyvind Fahlström in den späten sechziger Jahren ausgedacht hat und die nun in der Koje von Aurel Scheibler die Blicke auf sich zieht. Im vergangenen Jahr hätten die Sammler wohl nicht lange gezögert und zugegriffen, damit kein anderer schneller ist. Nun aber wird geguckt, gewartet – und während der Preview so wenig verkauft, wie es auf der Art Basel Miami Beach noch nie der Fall war.

Blind muss sein, wer nicht damit gerechnet hat. Nach den mäßigen Umsätzen auf der Londoner Frieze im Oktober und den zahlreichen Losen, die während der jüngsten Auktionen bei Christie’s und Sotheby’s unverkauft blieben oder nur weit unter Schätzpreis abgegeben wurden, gibt die Kunstmesse im warmen Florida einmal mehr Auskunft über die Folgen der Finanzkrise: Auf der Art Basel Miami Beach, die bislang nur Superlative kannte, wird weniger gefeiert und weniger gekauft.

Man kann das als Prozess der Normalisierung begreifen, weil sich Partystimmung und Kauflaune an der Grenze zur Hysterie nicht ewig konservieren lassen. Und wie oft wurde kritisiert, dass der Inhalt der Kunst in Miami zu kurz komme. Dabei hat nicht zuletzt die Verpackung jene Messe in wenigen Jahre zum Fixstern der Sammler gemacht. Wie attraktiv die Partys und zahllosen VIP-Veranstaltungen waren, merkt man jetzt, wo der Spaß ein Stück weit aufhört.

Zurück bleiben rund 220 Galerien aus Nord- und Lateinamerika, Europa, Asien und Afrika, die nun wie die Figuren in Fahlströms grünem Becken kämpfen müssen: um eine sichtbar geschrumpfte Zahl an Käufern, um Preise und Aufmerksamkeit. Rabatte, so hört man mehrfach, würden von den Galerien selbst angeboten, statt dass man wie früher danach fragen muss. Andere haben ihre Koje mit klein- und mittelformatigen Arbeiten aufgefüllt und sich nicht wie in den Jahren zuvor auf wenige teure Formate für den Großinvestor verlassen. Die Verträge für die Messe in Miami waren ja lange vor Ausbruch der Krise unterschrieben, nun muss man der sinkenden Kaufkraft mit neuen Ideen begegnen: vielleicht mit Kunst fürs kleinere Investment?

Wenige Galeristen wie Robert Miller aus New York oder Jablonka aus Berlin leisten sich konzentrierte Soloshows. Der eine zeigt Expressionistisches von Lee Krasner, der andere aktuelle Bilder von Philip Taaffe. Große Werke von Alex Katz oder Not Vidal findet man bei Thaddaeus Ropac, dazu aber auch eine kleinere Leinwand von Peter Halley für 23 000 Dollar. Die New Yorker Galerie McKee präsentiert wie gewohnt mehrere Bilder des 1980 verstorbenen Philip Guston. Eine Zeichnung aus dem Todesjahr des Malers ist für 215 000 Dollar zu haben, das große Gemälde bewegt sich an der Millionengrenze. Ähnlich hoch sind die Preise für Klassische Moderne bei Landau oder der Galerie Gmurzynska, die am Eröffnungstag erst einmal keine roten Punkte für Picasso oder Degas klebt. Prächtig verkaufen sich dagegen bei ihr die auf Leinwand gedruckten Fotografien von Karl Lagerfeld: Der Modeschöpfer hat Skulpturen von Jeff Koons abgelichtet und demonstriert damit vor allem, wie sich mit einer Arbeit gleich zwei Kunstwerke nach Hause tragen lassen.

Während die Geschäfte auf der Art Basel Miami Beach eher zäh anlaufen, hat sich die benachbarte Design Miami aktuell noch einmal vergrößert. Ein riesiges Zelt beherbergt nun Möbel vergangener Jahrzente, die zeitgenössischen Objekte und Prototypen. Zur Vorbesichtigung tritt man sich auf die Füße. Organisatorin Ambra Medda sieht die finanziellen Einbrüche denn auch weniger in ihrem Segment: „Zum einen sind die Preise für Design viel niedriger als für Kunst. Zum anderen ist die Zahl der Käufer geringer. Man kennt sich und hält jetzt zusammen.”

Die beiden Messen sind in diesem Jahr zusammengerückt und enger als je zuvor miteinander verzahnt. Während die Art Basel finanziell zur Hälfte an der Design Miami beteiligt ist, hat Audi als Sponsor der Designmesse nun zusätzlich den Shuttle-Service im Kunstbereich übernommen.

So machte das Team der Art Basel Miami Beach – Marc Spiegler und Annette Schönholzer – denn auch zur Eröffnung klar, dass mit solchen Schritten entschlossen in die Zukunft geplant und trotz aller Unwägbarkeiten nicht über eine Aufgabe des Standortes Miami nachgedacht wird. Das Duo hat demonstrativ die Kunstmessen-Halle just bis 2011 gemietet, und die UBS-Bank hat sich als Hauptsponsor ebenfalls für die nächsten drei Jahre verpflichtet.

Tatsächlich ist die Art Basel Miami Beach nicht nur ein Ort der schlechten Nachrichten. Ein Galerist wie Judy Lybke (Eigen + Art, Berlin/Leipzig) kann weiterhin auf treue Sammler bauen. Eines seiner raren Werke von Neo Rauch war wenige Stunden nach der Eröffnung verkauft, während bei Scheibler zwar nicht Fahlströms schwimmende Installation, dafür aber ein großes Gemälde von Bridget Riley an eine belgische Privatsammlung ging, aus der in absehbarer Zeit ein Museum erwachsen soll. Dennoch mahnt Lybke zum offenen Umgang mit der Situation. „Ich bin sicher, dass manche Kollegen bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes einbüßen. Wir müssen darüber miteinander reden – auch um Klarheit zu haben, was wir als Galeristen in Zukunft von dieser Messe erwarten,”

Art Basel Miami Beach, bis 7. 12., www.artbasel.com / Design Miami, bis 6. 12., www.designmiami.com

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