Kultur : "Kunstbank": Stahlgewitter mit Katrin Richter, Andrea Zaumseil und Josefine Güschel

Nicola Kuhn

Drei Künstlerinnen - eine Ausstellung. Nur die Tatsache, dass sie Bildhauerinnen sind und gemeinsam das Berliner Künstlerinnenstipendium erhielten, verbindet sie. Die "Kunstbank", der Galerieraum der Kultur-Senatsverwaltung in der Brunnenstraße 188-190, schweißt sie nun auch räumlich zusammen (bis 31. Juli). Eine visuelle Achterbahn mit drei Loops gerade so wie Kattrin Richters Installation "Lass uns bis ans Ende unserer Tage zusammen bleiben", die zwei rote Wegstrecken wie Zuggleise durch den Ausstellungsraum führt und sie in einem Plexiglas-Haus zusammenknäueln lässt. Das hat Witz und wirkt doch verstörend wie ihre Aquarelle aus der Serie "Schnappschüsse eines Irrlichts", in denen sich Alltagsgegenstände zu abstrusen Konstellationen zusammenfügen. Immer wieder tauchen Kaffeekannen auf, die sich doppeln oder deren Tüllen sich zu surrealen Gesprächsrunden miteinander verweben. Aus Spiel wird Ernst bei Andrea Zaumseil, deren großformatige Pastellkreide-Zeichnung labyrinthische Dimensionen eröffnet. Ähnlich wie Kattrin Richter, die souverän den Raum bespielt und zugleich Bilder von ganz eigener Qualität malt, bewegt auch sie sich selbstbewusst zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Aber auch hier wird schwer, was bei ihrer Kollegin leicht erscheint. Lucio Fontana gleich hat die Bildhauerin stählerne Kugeln herbeigerollt, die sich wie ihre Bilder nach Innen ins Ungewisse öffnen. Den Takt dazu schlägt Josefine Günschels kinetische Wandinstallation mit elf Stahlbändern, die zwei Meter lang in den Raum ragen und beifällig surren und klatschen, wenn die motorbetriebenen Stahlhämmer anschlagen. Sie beschreiben die Schönheit des Augenblicks, der in der "Kunstbank" einen Sommermonat dauert.

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