Kunstfälschungen : Ist der Künstler Karl Waldmann eine Erfindung?

Der Dresdner Dadaist erweist sich zunehmend als Fiktion, seine Collagen eine Finte des Marktes.

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Collagen mit einfachen politischen Botschaften soll der Künstler Karl Waldmann gefertigt und dabei dadaistische und sozialistische Stilelemente kombiniert haben - wenn es ihn denn je gab.
Collagen mit einfachen politischen Botschaften soll der Künstler Karl Waldmann gefertigt und dabei dadaistische und sozialistische...Foto: Kunsthaus Dresden (Ausschnitt)

Zuweilen gibt es solche Funde auf dem Dachboden oder dem Flohmarkt, das Werk eines Künstlers entsteigt wie Phönix der Asche. Für den Finder ist es ein Glück, für den Markt ein Fressen. Fast wäre es auch mit dem erstaunlicherweise jetzt erst ernsthaft wahrgenommenen Dadaisten Karl Waldmann so gegangen, dessen Werke zwar seit 15 Jahren auf Messen feilgeboten werden, der auf dem Weg ins Museum nun aber ins Stolpern geraten ist.

Ist der Künstler Karl Waldmann die Fiktion eines Fälschers

Die Ausstellung „Künstliche Tatsachen / Boundary Objects“ im Dresdner „Kunsthaus“ – von der Kulturstiftung des Bundes und dem Institut für Auslandsbeziehungen gefördert – präsentiert gerade seine Einflüsse des Bauhaus wie des russischen Konstruktivismus vereinenden Collagen. Experten hegten schon lange Zweifel, nun wurden erstmals massiv Proteste laut gegen die Ausstellung seines umstrittenen Werks, bei dem sich der Erschaffer zunehmend als Fiktion herausstellt.

Gibt es Karl Waldmann überhaupt? Angeblich stammt er aus Dresden, wo er zwischen 1920 und 1950 gewirkt haben soll. Dann verliert sich seine Spur, er soll 1958 in einem sowjetischen Arbeitslager verschwunden sein, glaubt der belgische Galerist Pascal Polgar, der sich nun in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz zu erklären suchte. Er handelt mit den Collagen Waldmanns, auf die 1989 ein französischer Journalist auf dem „Polenmarkt“ in Berlin gestoßen sein will. Neugierig geworden durch diese ersten Blätter, ließ er sich in Dresden in einer konspirativen Wohnung ein Konvolut von 1209 Stücken übergeben. Sie fanden schnell ihren Weg auf den Markt.

Gegen eine aktuelle Ausstellung in Dresden regt sich nun Widerstand

Jüngste Recherchen in Archiven nach der Person Waldmann blieben allerdings erfolglos. Im Umkreis der Dadaisten sucht man ihn ohnehin vergeblich. Auch die Arbeiten halten einer genaueren Untersuchung kaum stand. Die Schnittkanten erweisen sich als zu wenig vergilbt, die für die Collage benutzten Zeitungsschnipsel stammen aus zu diversen Zusammenhängen, als dass sie zu jener Zeit in Dresden einem Künstler zur Verfügung standen.

Auch die Leitung des Dresdner „Kunsthauses“ rudert mittlerweile zurück und glaubt nun in Waldmanns Werk ein zeitgenössischen künstlerisches Projekt zu erkennen, „das mit fiktionalen Strategien arbeitet“. So einfach ist es jedoch nicht, denn es gibt Käufer, die in gutem Glauben Werke erwarben, und eine fast korrumpierte Kunstgeschichte.

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