Kunstführer für Kinder : Mit dem Eisbär Kunst entdecken

Nicolas Piroux’ origineller Kunstführer durch das Musée d'Orsay und die Malerei des 19. Jahrhunderts - reizvoll auch für Erwachsene

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Auf jedem Gemälde hat Nicolas Piroux einen Eisbären versteckt - eine Schule des Sehens für Jung und Alt
Auf jedem Gemälde hat Nicolas Piroux einen Eisbären versteckt - eine Schule des Sehens für Jung und AltFoto: Musée d'Orsay

Was macht ein Eisbär aus weißem Ton im Museum? Dumme Frage, er steht dort, wo er hingehört und rührt sich nicht vom Fleck, oder? Es geht um den großen Eisbären von François Pompon im Pariser Musée d’Orsay, das vor allem Malerei und Skulpturen des 19. Jahrhunderts zeigt. Wie schafft man es nun, Kinder für die Kunst des 19. Jahrhunderts zu begeistern, wenn ihre Eltern mit ihnen auf der Paris-Reise unbedingt in dieses tolle Museum wollen? 

Man greift zu Nicolas Piroux’ wunderschönem Buch „Wo ist Nils der Eisbär?“ und lässt die Kleinen arbeiten, sprich auf die Suche gehen. Denn in Piroux’ Buch ist es dem Eisbären ab und an langweilig in dem Saal, und er macht sich auf den Weg, um die Bilder im Museum zu betrachten, ja, letztendlich taucht er in die Bilder ein und ist – fast – verschwunden.

Auf den ersten Blick sieht das Buch beim Durchblättern aus wie ein Ausstellungskatalog, die Meisterwerke des Musée d'Orsay sind in bester Qualität reproduziert, ergänzt um den Namen des Künstlers und den Titel des Werkes, mehr nicht. Der Autor dieses fast textlosen Buches verzichtet auf weitere Erläuterungen und lässt die Kinder einfach suchen.

Auf jedem Bild hat sich Nils versteckt. Und so leicht, wie man vielleicht denken mag, ist es nicht, den Eisbären zu entdecken. Da heißt es dann, genau hinschauen, jedes Detail studieren – erst dann wird man auch fündig. Die Verstecke sind nicht plump, sondern raffiniert, manchmal mit einem Augenzwinkern.

Es ist schon komisch, in dem sonnendurchfluteten Gemälde „Mittagsrast“ von Vincent Van Gogh nach einem Eisbären zu suchen oder bei Léon Bellys Karawane „Pilger auf dem Weg nach Mekka“. Bei den Wintermotiven ist Piroux frecher, da steht der Eisbär, weil gut getarnt, schon mal recht groß im Bild und man braucht dennoch einen Moment, um ihn zu finden. Pierre Auguste Renoirs „Ball im Moulin de la Gallette“ wird dann sogar zum Wimmelbild.

Erwachsene und Kinder werden bei dieser Entdeckungsreise durch die Kunst ihren Spaß haben. Es ist eine Schule des Sehens, die neugierig macht. Auf mehr. Zur Sicherheit gibt es am Ende auch die Lösungen.

Nicolas Piroux: Wo ist Nils der Eisbär? Deutsch von Linda Weidenbach. Belser Verlag, München 2017. 48 Seiten. 14,99 Euro.

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