Kultur : Kunsthandel Wolfgang Werner: Eisberge versetzen

Markus Krause

Wie Wolfgang Werner wohl auf diese Zusammenstellung gekommen ist: Jean-Paul Riopelle, Antoni Tàpies und Fritz Wotruba - unterschiedlicher können Künstler kaum sein. Der eine ein Hauptvertreter der "peinture" der Ecole de Paris, der andere, der Spanier, geradezu Inbegriff eines intellektuellen Malers, der dritte ein Bildhauer aus Wien, der sich den architektonischen Gesetzen der Formbildung verschrieben hat. Abgesehen vom gleichen Geburtsjahr der Maler, 1923, scheint es keine inhaltlichen Berührungspunkte zu geben. Oder existieren geheime Verbindungen, die sich erst in der Ausstellung selbst, in der direkten Gegenüberstellung der Werke erkennen lassen?

Man weiß es: Kunsthändler sind leidenschaftliche Ausstellungsmacher, die hier ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Bilder ließen sich auch in der eigenen Wohnung verkaufen, doch das gekonnte Einrichten einer Ausstellung, die richtige Auswahl und Zusammenstellung der Werke, ist ihre Passion. Das ist auch bei Wolfgang Werner so, dem mit der aktuellen Präsentation eine geradezu geniale Verbindung gelungen ist. Wotruba und Riopelle, darauf ist vor ihm wohl noch keiner gekommen. Die pastosen Kompositionen des Franzosen beherrschen die Wände des hinteren Raumes der Galerie, davor stehen die strengen Stelen oder blockhaften Bronze-Plastiken des Wieners.

Schwer und üppig liegen die bunten Farbmassen auf der Leinwand, bilden ein kantiges Relief, dessen Plastizität durch das Licht optisch noch verstärkt wird. Riopelle rückte der Farbe hart zu Leibe. Mit dem Spachtel strich er die zähen Massen über die Malfläche, setzte sie neben-, gegen- und übereinander, so dass am Schluss ein fast flirrendes Geflecht aus verschiedensten Farben entstand, in dem ein Ordnungsprinzip zunächst kaum zu erkennen ist. Einziger Anhaltspunkt sind die tiefen, oft balkenartigen Spuren des Spachtels, die sich wie ein Netz über die Komposition legen: die Farbe ist zur Materie geworden, gebändigt durch den Willen zur Form, der sie zu einem fast architektonischen Gefüge verwandelt hat.

Architektur ist auch das Zauberwort des um eine Generation älteren Bildhauers. In seinen Plastiken hat Wotruba den Abstraktionsprozess der menschlichen Figur bis zum Äußersten getrieben. Stein um Stein, Kubus um Kubus, Block auf Block türmen sich seine Figuren, entziehen sich manchmal vollständig der Identifizierung ("Figur VII", 1965, 125 000 Mark), balancieren dann wieder traumwandlerisch auf dem schmalen Grat zwischen organischer und geometrischer Gestaltung ("Karyatide", 1963). In ihrer Formbildung, in ihren Brüchen und Kanten, den verschatteten Tiefen und den fast farbigen, Licht reflektierenden Flächen, bilden sie eine ideale Entsprechung zu den völlig abstrakten Gemälden. Und hier verharrt der Besucher. Hängt dort an der Wand nicht von Riopelle sogar eine gegenständliche Komposition, der "Iceberg No. 14", ein Spätwerk von 1977, auf dem sich dunkle Farbbalken wie bei Wotruba übereinanderschichten? Tatsächlich gibt es für einen Moment dank der geschickten Inszenierung eine inhaltliche Verbindung zwischen diesen beiden unterschiedlichen Künstlern. Manchmal vermag ein leidenschaftlicher Ausstellungsmacher dem Betrachter einen Moment lang die Augen zu öffnen.

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