Kunstmesse : 14. Art Forum Berlin eröffnet eine neue Ära

Zwei Diplomaten, eine Messe: Wenn am kommenden Mittwoch das Art Forum Berlin erst für das Fachpublikum und ab Donnerstag dann ganz offiziell öffnet, wird mancher staunen.

Christiane Meixner

 Denn Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch, die die Kunstmesse seit einigen Monaten leiten, haben die Zeit noch einmal zurückgedreht und Fäden vom Anfang wiederaufgenommen. Von damals, als sich alle noch über Sinn und Wichtigkeit eines konzentrierten Handelsplatzes für Berlin einig waren.

Nun sind sie wieder versammelt: Martin Klosterfelde und Esther Schipper, Max Hetzler und Neugerriemschneider. Wichtige Galerien also, die sich der Messe in den vergangenen Jahren nicht bloß verweigert hatten. Sondern die dazu im vergangenen Herbst mit der „abc“ im Postbahnhof auch in sichtbare Konkurrenz gegangen waren. Davon will nun niemand mehr etwas wissen. 2009, so signalisieren alle, ist ein Jahr des Neubeginns. Und vielleicht steigen die neuen Direktoren deshalb so vorsichtig wie möglich über den alten Scherbenhaufen, den nicht nur der unfaire Abgang der ehemaligen Leiterin Sabrina van der Ley hinterlassen hat.

Was ihnen bislang an der Messe nicht gefallen hat und was sie besser machen wollen? Auf solche Fragen hat das Duo in den zahlreichen Interviews seit seiner Amtszeit nie geantwortet. „Wir werfen den Blick nach vorne“, hieß es stets von seiten Vetschs, dem erfahrenen Kommunikationsstrategen, der beiden so den Rücken freigehalten hat. Ihm und Häusler, die lange als Show Manager der First- Class-Messe Art Basel tätig war, ist tatsächlich ein kleines Wunder gelungen: Die Neugier auf das diesjährige Art Forum ist riesengroß.

Dazu tragen auch die Neuerungen bei. So setzt ein Teil der 130 Galerien aus 20 Ländern nicht länger nur auf Zeitgenössisches. Zugelassen ist nun Kunst bis in die sechziger Jahre, und so erweitert sich das Angebot um Arbeiten etwa von William Eggleston, Imi Knoebel, Sturtevant oder Walter Pichler, die ein kontinuierliches Werk über die Jahrzehnte vorzuweisen haben. Neu sind auch Galerien wie Edlin aus New York, die sich auf Outsider-Kunst konzentriert, und ein Sektor plein air im Sommergarten des Palais am Funkturm mit Installationen u.a. von Ernesto Neto, Wilhelm Mundt oder Erik von Lieshout. Verzichtet wird dagegen auf die traditionelle Sonderausstellung, weil Häusler und Vetsch lieber den Verkaufscharakter der Messe betonen. Mit der „abc“ gibt es dafür eine alternative Veranstaltung, zwischen beiden Orten vermittelt ein Shuttle. Vermittlung ist überhaupt das Stichwort für die beiden Messe-Leiter. Sie haben ein „Host Committee“ mit 160 Mitgliedern aus dem Berliner Kulturleben gegründet, das auswärtige Sammler begrüßt. Ein kleiner Trost für die VIPs, denen nicht länger kostenfreie Hotelzimmer zur Verfügung stehen. An ihre Stelle ist ein erweitertes Vermittlungsprogramm getreten, das Lust auf Kunst machen soll.

Art Forum Berlin, 24.-27. September in den Messehallen am Funkturm. Eingang Halle 19, täglich 12-19 Uhr. Eröffnung: 23. September (nur mit Einladung)

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