Kultur : Kunstmessen: Kartell Kunstmarkt?

Katrin Wittneven

Auf Kunstmessen setzen manche Galeristen in nur wenigen Tagen weit mehr um als im Rest des Jahres. Messen sind darüber hinaus ein Treffpunkt für Künstler, Kuratoren und Journalisten. In einigen Fällen werden gar Kunstsammler aus aller Welt unentgeltlich eingeflogen. Kurz und knapp: Messen sind ein Mekka für Galeristen. Nun gibt es stets mehr interessierte Händler als Kapazität. Zwar tragen die Standgebühren zur Finanzierung einer Messe bei, werden es aber zu viele Teilnehmer, schadet die Unübersichtlichkeit dem Verkauf.

Die heutige "Art Cologne" kann ein Lied von dem Dilemma singen. Mit seiner Gründung im Jahr 1967 provozierte der durch die achtzehn Gründungsmitglieder streng limitierte "Kölner Kunstmarkt", der Vorläufer der "Art Cologne", Gegenmessen und empörte Kollegen. Denn darüber, wem sich die Türen öffnen, entschieden die Galeristen. Sie legten die Auswahlkriterien und die Teilnehmerbeschränkungen fest. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar bewerben sich inzwischen 500 Galeristen um die Teilnahme an der "Art Cologne", zugelassen werden aber nur 244 Teilnehmer. Nach wie vor entscheiden Kollegen - und Konkurrenten - darüber im Zulassungsausschuss. Ein im letzten Jahr eingeführtes Rotationsprinzip sorgt außerdem für Zündstoff. Es sieht vor, dass eine Reihe von Galerien ein Jahr aussetzen muss und im nächsten Jahr ihren Platz dafür sicher hat - 16 entschieden sich freiwillig dafür, andere kämpfen gegen ihren Ausschluss. Andere Galerien wurden aus "qualitativen Gründen" abgelehnt oder weil sie "formale Kriterien" nicht erfüllten, etwa eine bestimmte jährliche Anzahl an Ausstellungen nicht erreichten. Insgesamt acht Galerien wollen sich jetzt einklagen. Die Verhandlung soll am 13. September stattfinden.

Die "Art Cologne" ist kein Einzelfall: Das "art forum berlin" setzt auf eine noch kleinere Auswahl an Galerien. Mit 135 Teilnehmern ging die Messe 1996 ins Rennen, in diesem Jahr sind es 170, die aus etwa 500 Bewerbern ausgewählt wurden. Das Hauptkriterium ist auch hier die "Qualität". Weil diese aber eng verwandt mit dem Geschmack ist, regte sich auch in Berlin in der Vergangenheit Widerspruch gegen die Entscheidungen des Zulassungsausschusses, zu dem in Berlin neben Galeristen auch Kunstwissenschaftler gehören, die nicht als Händler tätig sind. 1999 klagten die Galerien Baumgartne aus Bielefeld und Eva Poll aus Berlin ihre Teilnahme erfolgreich ein. Schließlich verbietet das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, das Kartellgesetz, Diskriminierungen jeder Art. Inzwischen müssen Galeristen schon mit ihrer Bewerbung in Berlin ein unabhängiges Schiedsgericht anerkennen, das im Streitfall entscheidet. Diese zwischengeschobene Instanz, die mit zwei Fachleuten des Kunstmarktes und einem zugelassenen Richter, Rechtsanwalt oder Notar besetzt ist, hat offenbar eine Lösung gebracht. Klagen gab es seit der Einführung vor einem Jahr nicht mehr. Langfristig aber hält Sabrina van der Ley, Projektleiterin der Kunstmesse "art forum berlin", eine einheitliche Regelung für denkbar: "Sinnvoll wären gleiche Zulassungsbedingungen für alle deutschen Kunstmessen."

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