Kunstpreis : Politik dominiert Turner-Prize-Vergabe

Der britische Künstler Mark Wallinger gilt mit seiner Protest-Installation gegen den Irak-Krieg als Favorit für die diesjährige Vergabe des renommierten Turner-Preises. Auch die Werke der weiteren Anwärter haben politische Themen.

London - Wallinger (48) hat für seine Installation mehr als 600 Poster und Plakate verwendet, die einst von dem Friedensaktivisten Brian Haw vor dem Westminster-Parlament im Herzen Londons aufgestellt worden waren. Auch die Werke der drei anderen Anwärter auf den wichtigsten britischen Preis für Moderne Kunst, die jetzt in London von der Turner-Jury für den mit 25.000 Pfund (37.000 Euro) dotierten Preis vorgestellt wurden, haben politische Themen.

Jury-Mitglieder betonten aber, dass ihrerseits keine politische Absicht mit dieser Auswahl verbunden gewesen sei. "Dies war ein sehr starkes Jahr und das Grundmuster hat sich einfach ergeben", sagte Jury-Mitglied Michael Bracewell nach britischen Medienberichten. Es habe unter vielen Künstlern, deren Werke in Erwägung gezogen wurden, "eine starke Konzentration auf politische Arbeit sowie auf religiöse Überzeugungen und Spiritualität" gegeben.

Wallinger in der Tate Britain

Wallingers Installation "State Britain" ist derzeit in der Tate Britain ausgestellt. Die riesige Sammlung von Protesten gegen den Irak-Krieg, zu der auch Zeitungsausschnitte, handschriftliche Mitteilungen, Fotos von Kriegsopfern und Puppen mit Spruchbändern gehören, war auf Anweisung der Behörden vom Parliament Square entfernt worden. Kriegsgegner Haw wurde allerdings gestattet, mit einigen wenigen Plakaten weiterhin in Sichtweite des Parlaments zu demonstrieren.

Die anderen Anwärter auf den Turner-Preis sind Zarina Bhimji, Nathan Coley und Mike Nelson. Die aus Uganda stammende Bhimji stellte anhand von alten Fotos und Filmen die Vertreibung der Inder und anderer Asiaten aus dem ostafrikanischen Land durch den Diktator Idi Amin im Jahr 1974 dar. Der Schotte Coley umgab für seine Installation Modelle von Kirchen, Synagogen und Moscheen mit einem Sichtschutz. Nelson, ebenfalls Brite, schuf imaginäre Szenen aus dem Leben von Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.

Die Werke der Turner-Preis-Anwärter werden in diesem Jahr erstmals nicht in London, sondern im Tate-Galerie-Ableger in Liverpool ausgestellt. Die Beatles-Stadt ist 2008 Kulturmetropole Europas. Wer den Turner-Preis gewonnen hat, wird am 3. Dezember bekannt gegeben. (tso/dpa)

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