Kunstschätze : Kulturrat empört sich über "eine Art Räumungsverkauf"

Der von der baden-württembergischen Landesregierung erwogene Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek stößt inzwischen bundesweit auf Kritik.

Berlin - Der Deutsche Kulturrat äußerte die Befürchtung, dass der Verkauf von öffentlichem Kulturgut "salonfähig" werde. Er verwies dabei auch auf Pläne der nordrhein-westfälischen Stadt Krefeld, das Gemälde "House of Parliament" von Claude Monet zu veräußern, um das Kaiser-Wilhelm-Museum zu sanieren.

Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann warnte davor, das Verkaufen von öffentlichem Kulturbesitz als "Königsweg" zu sehen, um Finanzlöcher im Kulturetat zu stopfen. In Wirklichkeit handle es sich um "eine Art Räumungsverkauf". Dieser Raubbau müsse jetzt gestoppt werden, oder er habe erst ein Ende, wenn die Museen und Bibliotheken leer seien.

Wert von rund 70 Millionen Euro

Der Kulturexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto, zeigte sich ebenfalls beunruhigt über die Verkaufsabsichten. Der geplante Ausverkauf der Badischen Landesbibliothek sowie der beabsichtigte Verkauf von Krefelds bekanntestem Bild breche mit der Jahrzehnte lang gepflegten Übereinkunft, dass öffentliche Institutionen die ihnen anvertrauten Kulturschätze grundsätzlich nicht veräußern dürften.

In Baden-Württemberg ist im Rahmen von Verhandlungen zwischen der Landesregierung und dem Markgrafenhaus Baden angedacht, bis zu 3500 Handschriften aus der Sammlung der Badischen Landesbibliothek zu veräußern. Der Wert wird auf rund 70 Millionen Euro geschätzt. Die Erlöse sollen in eine Stiftung fließen, mit der die Sanierung und der Erhalt von Schloss Salem am Bodensee finanziert werden soll. Das Markgrafenhaus erhebt seit Jahren Ansprüche auf verschiedene Kunstschätze im Land. (tso/ddp)

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