Kultur : Kunststifter: Schall und Rauch

Das amerikanische Vorbild macht längst im deutschen Museumswesen Schule. Es gibt hier zu Lande mehr und potentere Privatsammler, als das jahrzehntelang der Fall war, und sie sind selbstbewusster geworden. Stiftungen allein zum höheren Ruhme der jeweiligen Heimatstadt sind in den Hintergrund gerückt, im Vordergrund stehen Geschäfte auf Gegenseitigkeit, die den Namen des Sammlers ins Licht rücken.

Köln kann davon ein Lied singen. Die Stadt verdankt die Mehrzahl ihrer bedeutenden Museen privatem Engagement. Es war immer selbstverständlich, die edlen Spender namentlich der Nachwelt zu bewahren. So kam es zu den Kombinationen von Wallraf-Richartz- oder Rautenstrauch-Joest-Museum. Aus Achtung vor den Erststiftern versagten sich spätere Mäzene, ihrerseits für Schenkungen die Aufnahme in den Museumsnamen zu begehren.

So hielt es auch Josef Haubrich, der seiner Vaterstadt im dunklen Jahr 1946 mit der Überlassung seiner Sammlung eben noch "verfemter" Kunst den Anstoß zum kulturellen Wiederaufstieg gab. Das Wallraf-Richartz-Museum (WRM), Empfänger der rund 200 Werke umfassenden Sammlung des mutigen Rechtsanwaltes, blieb, was es war. Bis der Großsammler Peter Ludwig Ende der sechziger Jahre auf den Plan trat: Er machte Politik und drängte die Stadt mit dem Lockangebot von Teilen seiner ausufernden Sammlung, ein neues Haus zu bauen, ja mehr noch, das alte WRM zu teilen und ein neues, nach ihm benanntes "Museum Ludwig" zu gründen. Später gelang es ihm, mit einem neuerlichen Schenkungsangebot das im großvolumigen Neubau untergekommene WRM ganz zu vertreiben. So kam Köln zu einem weiteren Museumsneubau, dem dritten für das WRM in 50 Jahren.

Aber der Damm war gebrochen, und wer etwas spendete, wusste nun, was er fordern und erwarten durfte. So hielt es unlängst ein Schweizer Sammlerpaar, das seine - rechtlich getrennt bleibende - Kunststiftung als "ewige Leihgabe" nach Köln gab, nicht ohne im Gegenzug dem WRM den Zusatz "Fondation Corboud" hinzufügen zu dürfen. Am heutigen Freitag wird die Sammlung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Unterdessen kam ein neuer Direktor ins Museum Ludwig, das nach dem Tod seines Namenspatrons mehr und mehr an Elan eingebüßt hatte, und holte die jahrzehntelang nur in Ausschnitten präsente Sammlung des Mäzens Haubrich aus dem Depot. Jüngere Besucher stehen staunend vor der makellosen Qualität dieser im Schatten der NS-Diktatur zusammengetragenen Kollektion. Ihr gegenüber verblasst vieles von dem, womit Peter Ludwig jahrelang die Szene beherrschte. Jetzt regen sich Stimmen, die Haubrichs Namen dem des Museums Ludwig anzufügen verlangen: Es ließe sich nicht rechtfertigen, ausgerechnet Haubrichs folgenreiche Schenkung ungeehrt zu lassen.

Noch hält sich Köln bedeckt. Die Stadtväter sind ratlos. Erst einmal müssen sie bedenken, wie sie künftige Stifter gewinnen wollen, ohne jeweils im Gegenzug neue und womöglich kurzlebige Museumsnamen zu gewähren.

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