Kultur : Kuppel zu verkaufen

Christiane Peitz besichtigt die absurden Seiten des Berliner Schlosses

Absurdistan ist nichts dagegen. Erst beschließt die Nation, dass Berlin sein Stadtschloss wiederbekommt. Aber Jahre lang hatte keiner eine rechte Idee, was denn überhaupt rein soll ins rekonstruierte Gemäuer. Kaum ist die Kuh dank dem Humboldt-Forum vom Eis – beziehungsweise eine Endlosdebatte über die außereuropäischen Sammlungen im Rahmen der historischen Kubatur eröffnet –, folgt die nächste Absurdität folgt auf den Fuß. Alles was Schloss ist am Schloss (die barocken Fassaden, die Kuppel), wird laut Bundestagsbeschluss ja gar nicht vom Bund finanziert, sondern über Spenden. Das parteiübergreifende Schloss-Bekenntnis von 2002, bekräftigt im Jahr 2007, es war ein klares Jein. Das ist nicht neu, aber pünktlich zur Eröffnung der Humboldt-Box auf dem Schlossplatz am morgigen Donnerstag wird das Dilemma immer offensichtlicher. Denn die Schlossfreunde sagen zu Recht: Ohne Kuppel ist ein anständiges Schloss nicht zu haben. Also wird in diesen Tagen über zusätzliche 28 Millionen Euro beraten: Heute in einer Woche entscheidet das Parlament, ob die Kuppel-Frage vielleicht doch mit Hilfe von Steuergeldern beantwortet werden kann. Zwar hoffen die Schloss-Verantwortlichen, das Spendenengagement werde in dem Maße zunehmen, in dem am Schlossplatz der Baustellenlärm steigt. Aber klar ist auch: Der Berliner ist weniger geschichtsträchtig als der Dresdner und das zahlungskräftige Bürgertum längst nicht so groß wie in Hamburg. Das Modell Frauenkirche, das Modell Elbphilharmonie – an der Spree sind sie kaum zu gebrauchen.

Die dritte Absurdität ist die Bauverschiebung. Es handelt sich um eine kostenspielige Sparmethode: Mit der Verlegung des Baustarts von 2011 auf 2013 ist der Bundeshaushalt zwar kurzfristig verschlankt, in den nächsten Jahren kommt deshalb jedoch einiges drauf, 38 Millionen Euro, so will es die Teuerungsrate im Bau-Index. Nach mir die Springflut: Ein Sparpaket schnüren – und das teure Porto soll bitte die nächste Regierung beschaffen, wer weiß, wer dann im Amt ist. Ehrliche Kulturpolitik sieht anders aus.

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