Kultur : Kurt Rosenwinkel: Tränenpalast: ...Rauchen einstellen

Johannes Völz

Er hockt einfach da, als die Scheinwerfer aufleuchten. Minuten lang schon hatte Kurt Rosenwinkel unbemerkt auf der dunklen Bühne gekauert und seine Gitarre gestimmt. Auf einmal Spotlight: Der 30-Jährige grinst ins Publikum, winkt dabei kurz, und nestelt weiter an der Gitarre. Irgendwann kommen die übrigen Bandmitglieder auf die Bühne. Irgendwann spielen sie sogar Musik. Doch das Konzert des viel gelobten Kurt Rosenwinkel-Quartetts fällt der Tournee-Routine zum Opfer. Die Musiker kämpfen mit unzureichendem Equipment und finden keine rechte Lust am Spiel. Und die wenigen Zuhörer im Tränenpalast verlieren sich in den tiefen Sesseln. Dass der Funke nicht überspringen will, liegt auch an der Musik selbst. Kurt Rosenwinkel pflegt einen zwar innovativen, aber überaus vergeistigten, coolen Jazz. "The Enemies of Energy" nannte der Gitarrist sein erstes Verve-Album. Und in der Tat: Feuer, Ekstase, Leidenschaft - all das spielt in der Musik des Quartetts eine Nebenrolle. Interessant sind die Klänge aber dennoch. Schon deshalb, weil die Gruppe in ihrer knapp zehnjährigen Zusammenarbeit jedes Tempo und jedes Timbre genauestens austariert hat. So schmiegt sich Mark Turners Saxofon-Ton in den Unisono-Passagen an das Spiel des Gitarristen, bis eine Homophonie ohne Ecken und Kanten entsteht. Rosenwinkel selbst pflegt in seine Soli kleine, aber feine Idiosynkrasien einzufügen. Seine widerhallenden Gitarrenlinien begleitet er im Falsettgesang. Eine Spur brasilianischer Fusion schleicht sich damit in den komplexen Jazz, den Drummer Jeff Ballard und Bassist Ben Street im Kreuzmuster stricken. Keine Frage: Das Quartett um Kurt Rosenwinkel geht kompromisslos seinen eigenen Weg. Nur sollten die Rising Stars ihren Zuhörern in Zukunft keine zweistündigen Soundchecks als Konzert verkaufen.

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