KURZ & KRITISCH : Klassik, Kunstgewerbe

Lothar Zagrosek mit dem Konzerthausorchester, Tiere des Jugendstils im Bröhan-Museum

Sybill Mahlke

KLASSIK

Mozart verteidigen: Lothar Zagrosek mit dem Konzerthausorchester

Die Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester von Mozart ist ein Grenzfall der Gattung und zugleich ein geniales Meisterstück. Wie diese Musik die Tradition des spätbarocken Concerto grosso behutsam verlässt, um neue Bahnen zu entdecken, das betont besonders eine Interpretation des Konzerthausorchesters unter seinem Chefdirigenten Lothar Zagrosek. Das dunkel getönte Orchester mit den geteilten Bratschen bewahrt seinen Eigencharakter.

Entgegen herkömmlicher Praxis spielen Violino principale und Viola principale nicht im Tutti mit, um es dann fortzuspinnen als virtuoses Duett, sondern sie schweigen bis zu ihren Soloeinsätzen. Damit wird im großen Saal evident, was an der Partitur zum echten Konzert tendiert, zumal in den von Mozart selbst komponierten Kadenzen. Und man erfährt, dass die beiden Solostreicher verschieden geprägt sein können: unerschütterlicher Virtuose der Geiger Renaud Capuçon, während der Bratschist Antoine Tamestit, stilistisch fesselnd, auf der Suche nach dem melodischen Wunder, dem Zauber der Phrase musiziert.

Auftakt der Mozart-Matinee ist die Ouvertüre zu „Lucio Silla“. Die Interpretation der Opernmusik suggeriert Erwartung, Achtung! Es geht los. Theaterluft im Konzert/Schauspielhaus. In romantischer Musik neigt Zagrosek manchmal dazu, sein Dirigieren hyperaktiv zu übersteuern. Bei Mozart aber ist er ein idealer Vermittler, weil er jeden Takt fein ziseliert und mit Ernst verteidigt. Auch wenn es um ein eher vernachlässigtes Werk geht wie die C-Dur-Sinfonie KV 200. Und das Orchester in erstaunlich frischer Morgendisposition antwortet mit feinen Hörnerechos. Sybill Mahlke

KUNSTGEWERBE

Schnecken entdecken: Tiere des Jugendstils im Bröhan-Museum

Es quakt, nagt, flattert, faucht, schwirrt und summt. Zumindest könnte man sich das einbilden, wären all die Frösche, Mäuse, Schmetterlinge, Panther und Käfer nicht aus feinstem Porzellan oder schimmerndem Metall. Dass neben Pflanzen auch Tiere den Jugendstil beeinflussten, beweist eine Sonderausstellung im Bröhan-Museum („Von Pfauen, Libellen und Fledermäusen – Geheimnisvolle Tierwelt im Jugendstil“, Schlossstr. 1a, bis 14.2., Di–So 10–18 Uhr). Sie ist zwar nicht ganz so düster, wie die Poster vermuten lassen – silberner Fledermauskerzenleuchter, dunkler Hintergrund, blutrote Schrift. Aber Absurditäten wie die „Biskuitdose mit Schnecken“, die Aalmutter-Skulptur oder die elektrische Leuchte in Drachenform sind sehenswert. Schon allein, weil ihre ambivalenten Sinnbilder heute noch genauso faszinieren wie zur Epoche des art nouveau.

Die Libelle etwa wurde hierzulande als nutzloses, räuberisches Insekt gewertet, in Japan als Zeichen des Sieges. Überhaupt spielte der Japonismus eine spürbare Rolle im Jugendstil: Schwäne und Kraniche finden sich im Bröhan-Museum auf vielen Vasen, Schalen und Tellern wieder. Und die Fledermaus verlor Anfang des 19. Jahrhunderts an dämonischer Bedeutung, steht sie in der ostasiatischen Kultur doch für Glück und Reichtum. Wenn auch keinen Nervenkitzel, Symbolik gibt es in der Ausstellung zuhauf: Rund 300 Tierplastiken und Gegenstände mit tierischem Dekor warten in Vitrinen darauf, ihre Geschichten zu erzählen. Annabelle Seubert

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