Kurz & Kritisch : Kleine Geister

Karl Arnolds Karikaturen der 20er sind in der Berlinischen Galerie ausgestellt. Arnold selbst reiste immer wieder nach Berlin, um „das Absonderliche dieser verrückten Stadt“ zu zeichnen.

Annabelle Seubert

Die Filmdiva ist empört. Zwischen Hund, Katze und Fanpost liegt sie in ihrem rosafarbenen Hotelbett, blickt von der Zeitung auf und herrscht das Zimmermädchen an: „Der Sprechfilm kommt – und isch hab’ einen Zschungenfehler.“ Beißend kommentierte Karl Arnold das Berlin der zwanziger Jahre. Immer wieder reiste der Karikaturist aus Oberfranken an die Spree, um „das Absonderliche dieser verrückten Stadt“ und die Macken ihrer Bewohner zu erforschen.

So brachte er die Friedrichstraße zu Papier, auf der sich Damen in Pelz und Herren mit Zigarren drängen, dem Feinkostladen am Rande mehr Beachtung schenkend als dem Bettler. Arnold brauchte wenig Farbe und Worte, um seine Geringschätzung für eine ignorante Oberschicht auszudrücken. Manchmal reichte ihm ein aufgeschnappter Satz, wie die Ausstellung „Hoppla, wir leben! Berliner Bilder aus den 1920er Jahren“ in der Berlinischen Galerie beweist (Alte Jakobstr. 128, bis 27. 9., Mi–Mo 10–18 Uhr). Dann zeichnete er einen Jazzclub, in dem sich Menschen zu Saxofonklängen wiegen – und verpasste dem Ganzen einen passenden Titel: „… tja, unangenehm – sie hat ihn mit ihrer Hausfreundin überrascht.“ Karl Arnold, der zeitlebens für den „Simplicissimus“ arbeitete, beobachtete Missstände präzise. Und brachte sie in Umrisslinien auf den Punkt.

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