KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

von

OPER

Vier Mal 20 Minuten: das Finale

des Berliner Opernpreises

Die Aufgabe, die beim Berliner Opernpreis 2010 zu lösen war, lautete: Schreibe eine Oper von 20 Minuten zum Thema „Verbotene Liebe“. Die Neuköllner Oper zeigt im Kino Babylon vier Lösungsmöglichkeiten. „Romeo und Julia heute“ (Text: Andrea Heuser, Musik: Markus Lehmann-Horns) schickt die Helden in eine Vorabendserie, scheitert aber, weil sich die Partitur kaum mit der musikalischen Seite von Soap Operas auseinandersetzt. „20 Minuten“ von Andreas Bisowski (Text) und Peter Michael von der Nahmer (Musik) verhebt sich bei dem Versuch, den inneren Monolog einer Selbstmordattentäterin wiederzugeben und gleichzeitig ironisch mit Muslim-Klischees zu spielen. Eine beklemmende Studie einer Inzestbeziehung zwischen Vater und Tochter nach dem Tod der Mutter gelingt Julia Langkau (Text) und Heera Kim (Musik) in „Der Unfall“. Konzise und textverständlich gestaltet, lässt sie den Solisten Clemens Gnad und Johanna Krumin auch Raum für intensive gestische Charakterdarstellung. Simon Freis Supermarkt-Musical „West Side Storno“wagt einen witzig überdrehten Blick ins Alltagsleben und entdeckt dabei sogar den Klang des Flaschenautomaten fürs Musiktheater. Dass man sich wünscht, aus den beiden letzten Opernquickies möge etwas Dauerhafteres werden, ist auch das Verdienst von Robert Lehmeier, der die so unterschiedlichen Beiträge mit Sinn für präzises Timing inszeniert hat. Carsten Niemann

KUNST

Dolce vita: Junge Kunst

in der italienischen Botschaft

Das Strandbild passt in keinen Urlaubskatalog. Mit seinen kahlen Bäumen, den unbequemen Plastikstühlen, der stechenden Helligkeit. Eigentlich passt die Aufnahme auch nicht in ein Zimmer mit prächtigen Goldrahmen. Aber irgendwie gehört sie genau dorthin. Der Fotograf Armin Linke kommt aus Italien, lebt aber in Berlin. Wie alle neun Künstler, die momentan in der italienischen Botschaft und dem italienischen Kulturinstitut gezeigt werden (Tiergartenstr. 22, bis 22.9., die Arbeiten sind montags im Rahmen der Botschaftsführungen zu sehen, Anmeldung erforderlich). Bei der Eröffnung wurde gestikuliert, lautstark erzählt, Kunstwerke lagen auf dem Boden. Der bunte Stern von Carola Spadoni etwa, den sie aus verschiedenen Stoffen drapiert hat. Kunstwerke liefen durch die Gänge: Drei schwangere Frauen mit Skulpturen auf den Köpfen schlängelten sich an der Menge vorbei - eine Performance von Simone Berti. Vielleicht lag es am Rotwein, dass die Aufregung über das Projekt regelrecht zu spüren war. Vielleicht liegt es auch einfach an der Kunst. Annabelle Seubert

KUNST

Bunt und sinnlich: Marlene Troll

in der kolumbianischen Botschaft

Nur einen Schuh anhaben – das ist Freiheit, findet die Kolumbianerin Marlene Troll. Deshalb ist die zur Hälfte barfuß laufende Frau ein immer wiederkehrendes Motiv ihrer Bilder. Bei den Schuhen freilich handelt es sich ausnahmslos um Hochabsätziges. Troll unterstreicht die Weiblichkeit, wo sie kann. Das sei charakteristisch für Kolumbien, sagt eine Botschaftsmitarbeiterin: Auffällige Ohrgehänge, schwingende Kleider, tiefe Ausschnitte – sie setze sich gern in Szene, die Lateinamerikanerin. Ihre in Deutschland entstandenen Werke, gut ein Dutzend Gemälde und acht Tonskulpturen sind jetzt in der Kolumbianischen Botschaft zu sehen (bis 15. 6., Kurfürstenstraße 84, 5. Stock). Troll holt aus dem klassischen Öl auf Leinwand ein Maximum an Farbintensität. Obgleich ihre Bilder bestechend eindimensional sind, erschafft die Künstlerin ganze Fantasiewelten, einladend harmonisch, voller Blumen, Vögel, Luftballons, paradiesischer Details. Reizvoll paradox, dass die stets leicht gelangweilt wirkenden Gesichtsausdrücke in auffallendem Gegensatz zur Fabelhaftigkeit des Gesamtkunstwerks stehen. Maris Hubschmid

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