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KLASSIK

Stimmt so: das Jubiläumskonzert

der Camerata Vocale

Verdienst der Camerata vocale Berlin ist der Einsatz für wenig Bekanntes: Werken der Barockmeister Graun und Hasse, Puccinis „Messa di Gloria“ oder auch dem Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns verhalf der Laienchor zu einer erfreulichen Wiederbelebung. Zum 25-jährigen Jubiläum hat die rührige Leiterin Etta Hilsberg eines der populärsten und zugleich anspruchsvollsten Werke der Chorliteratur auf das Programm im Konzerthaus gesetzt: Mendelssohns Oratorium „Elias“ ist Prüfstein für stimmliche Kraft und Geschmeidigkeit, verlangt Gespür für große Linie und Ausdruckskontraste. Dies zeigt der Chor zu Beginn, wenn dem Aufschrei „Herr! Hilf!“ die bange, wie geflüsterte Frage folgt: „Will denn der Herr nicht mehr Gott sein in Zion?“ Denn das Wasser versiegt, und der Prophet Elias soll Gott um Regen für das Volk Israel bitten.

Jens Hamann erfüllt die leidenschaftliche Hauptpartie mit jugendlich hellfarbigem, beweglichem Bass, zeigt beachtliche Koloraturen, wenn „des Herrn Wort ... wie ein Hammer“ Felsen zerschlägt. Esther Hilsberg (Sopran), Sonja Koppelhuber (Alt) und Clemens Löschmann (Tenor) vervollständigen das homogene Solistenquartett, das zu wiegenden Streicherklängen des Deutschen Kammerorchesters Berlin einen Moment spannungsvollen Innehaltens vor dem Ausbruch der Elemente schafft: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn.“ Später geht die Spannung in allzu moderaten Tempi ein wenig verloren. Doch wenn die Camerata vocale zum Schluss mit zauberhaftem Piano den säuselnden, Gott umfangenden Wind beschwört, wird wieder klar: „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig.“ Isabel Herzfeld

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Für Nannerl: Mozart-Matinee

mit dem Konzerthausorchester

Pfingsten, „das liebliche Fest“, lenkt auf dem Gendarmenmarkt jede Menge Digitalkameras und Blicke aufs Konzerthaus, während drinnen das Pfingstkonzert gefeiert wird. Es ist die Nr. 4 einer Serie von Mozart-Matineen, die mit künstlerischer Noblesse und zweckdienlicher Kinderbetreuung am Werk sind, Passanten des Kulturbetriebs für die Klassik zu gewinnen. Wer schon gewonnen ist, steht besonders pünktlich vor den Türen, denn es herrscht freie Platzwahl. Im voll besetzten Saal wird aufmerksam gelauscht und applaudiert, obwohl der Magnet der Veranstaltung, Thomas Quasthoff, erkältungsbedingt abgesagt hat. Damit entfällt leider der Schatz italienischer Konzertarien für Bass, die selten zu hören sind.

Leidenschaftliche Töne aber entfaltet auch Mojca Erdmann, kurzfristig eingesprungen: Es sind Bühnenarien aus „Idomeneo“, „Zauberflöte“ und „Zaide“, und in der g-Moll-Arie dirigiert Lothar Zagrosek empfindsam sein Konzerthausorchester, dessen Soli gleichsam die Tränen der Pamina nachweinen. Piano klingt Mojka Erdmanns Sopran am schönsten, in der Dramatik nicht ohne Schärfen.

Instrumentale Frühwerke aus Salzburg rahmen die Gesangseinlage. Neben der Sinfonie KV 182 ertönt mit sieben hervorragenden Orchestersolisten (Streichquartett, Oboe, zwei Hörner) das Divertimento D-Dur KV 251, das, offenbar zum Geburtstag der Schwester komponiert, „Nannerl-Septett“ genannt wird. Menuett mit Variationen, Marcia alla francese: Die Interpretation der Suitensätze huldigt dem gestischen Reichtum ihrer Stilelemente. Sybill Mahlke

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