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KLASSIK

Teurer Sachse: Die Staatskapelle spielt Händel in der Philharmonie

Neben dem königlichen Boot befindet sich jenes der Musiker, und was sie spielen, ist von dem berühmten Händel, dem Hauptkomponisten Seiner Majestät. So wird aus jener Nacht auf der Themse berichtet, wo der König die Watermusic bis in den Morgen wiederholen ließ. Wer wäre da nicht gern dabei gewesen in einer der Barken oder am Ufer! Es ist eine höfische Musik, die über ihre soziale Bedingtheit hinaus sogleich vielen gehört.

Aus dem Open Air ist eine Konzertmusik geworden, seriös und beschwingt, wenn sich ein Klangkörper wie die Staatskapelle ihrer annimmt. Hier aber besteht das Wunder darin, dass sich Teile des romantisch geprägten Sinfonieorchesters, gestützt von prominenter Aushilfe, als eingeschworenes Barockensemble präsentieren. Das bewirkt der Italiener Ottavio Dantone als Primus inter pares, eine Haltung, die bei Dirigenten selten anzutreffen ist. Er diktiert nicht, sondern fördert lebendiges Interesse an historischer Artikulation. Air, Bourrée, Hornpipe erklingen in der Philharmonie filigran.

Festfreude bereitet die Sinfonia aus dem unkriegerischen Oratorium „Salomon“ – eine barocke Huldigung an die Musik. In virtuoser Abstimmung mit dem Orchester trägt der Dirigent als Solist Orgelkonzerte bei: Geläufigkeit und Silberklang auf einem Klop-Instrument aus Privatbesitz. Auch ein Concerto grosso zeigt, dass Händel auf italienischem Boden steht, wo der caro Sassone viel gelernt hat. Was uns heute bezaubert. Sybill Mahlke

POP

Schnulzen und Revolutionslieder: Lila Downs im Huxley’s

Sie werde auch über Hühner und Tequila-Besäufnisse singen, sagt Lila Downs zu Beginn auf Englisch. Die Tochter eines Amerikaners und einer mexikanischen Mixteca-Indianerin spricht und singt dann vorwiegend spanisch. Gleich ein rasantes Mariachi-Lied. Lila in Gelb und buntem Blumendekor mit fransigem Wickelrock und langen schwarzen Zöpfen tänzelt zwischen ihren wunderbaren Mitmusikern herum: Violine, Klarinette, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der Geiger spielt auch Harfe, die sich mal anhört wie karibische Steel-Drums, mal wie eine Mandoline. Der Klarinettist, der hier das für mexikanische Musik typische Akkordeon ersetzt, wechselt gelegentlich zum Tenorsaxofon mit Jazzappeal. Der Gitarrist tauscht die Akustische gegen eine Fender Telecaster, variiert von spanischem Zupfen zu Funk und Country. Downs schmachtet eine tolle Schnulze, einen Ranchereo, mexikanische Countrymusik. Die sentimentalen Songs sind die schönsten. Aber sogleich dreht Lila wieder auf, mit dem Traditional „Los Pollos“ und dem alten Revolutionslied „La Cucaracha“. Der ganze Saal tanzt – das nur zu einem Drittel gefüllte große Huxley’s bietet ausreichend Platz für Rumbas und Sambas, Reggae und Country-Walzer. Es geht viel um Corazón in diesen Liedern, ums Gemüt, ums Herz. Und die Nacht und den Mond. Der Drummer klopft aufs Cajon, und Lila schlängelt ihre Stimme in farbigen Koloraturen durch die Oktaven. Fröhliche Tanzparty. H.P. Daniels

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