KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Laura Backes

POP

Kreischen und Miauen:

Kate Nash im Astra Kulturhaus

Täuschend harmlos sitzt Kate Nash an ihrer Orgel und eröffnet den Abend mit „Paris“, einem Titel ihres zweiten Albums „My Best Friend Is You“. Nur der schwarze Lidschatten, der bis an die Augenbrauen reicht, irritiert. Nash wirkt dadurch ungewohnt aggressiv. „Die war doch so süß“, nölt es aus dem Publikum. Doch irgendwo zwischen alten und neuen Singles wie „Mouthwash“, „Doowahdoo“ und ihrem ersten großen Hit „Foundations“ driftet Kate Nash ab. Was vorher noch als Imagekorrektur in Richtung „Die Kleine will auch mal ’ne Rockgöre sein“ etikettierbar war, wandelt sich in ein verblüfftes „Was geht denn mit der ab?“ Kate Nash ist wütend. Sie röhrt, kreischt und miaut ins Mikro. Nichts erinnert mehr an das nette Mädchen mit der Sixties-Stimme, in deren zuckersüß vorgetragenen Texten es oft ziemlich zur Sache geht. Ist Kate Nash mit 22 plötzlich erwachsen geworden? Nach gerade mal 60 Minuten endet ihr Auftritt urplötzlich, ohne Zugabe. Das Publikum bleibt größtenteils verwirrt und unbefriedigt zurück: Hat sie sich zu sehr verausgabt, einfach keine Lust mehr oder übt sie sich in frühreifen Rockstar-Attitüden?Laura Backes

FILMMUSIK

Schnitte und Schreie:

Das DSO im Kino Babylon MItte

„So this is Paris“ locken die Lettern am Kino Babylon: die erste kleine Lüge des Abends. Denn Ernst Lubitschs 1926 gedrehte Seitensprungkomödie spiegelt das Leben im legendär libertären Berlin. Für das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das den Streifen live begleitet, bietet das Werk eine Vielzahl von Ereignissen, die musikalisch umgesetzt werden wollen. Arrangeur Helmut Imig hat für jede Situation den richtigen Tonfall parat und weiß seine Vorlagen, die von Louis Moreau Gottschalck über Sibelius bis hin zu Gershwin-Anklängen reichen, mit effektvoller Schnitttechnik dem Bild zu unterlegen: Da bricht ein Ballettkorrepetitor zu einem Violinsolo in spitzes Gelächter aus, verdichtet sich das Lügengespinst des doppelt untreuen Hauptdarstellerpaars zu minutiös begleiteten Augenaufschlägen und kulminiert die Handlung in einem Charleston-Wettbewerb. Der ist wechselweise live und als Übertragung im Dampfradio zu hören. Neben den Instrumentationseffekten macht auch die schiere physische Präsenz des unter Ingo Metzmacher lustvoll spielenden, wenn auch bisweilen etwas grobkörnig intonierenden Orchesters deutlich, warum sich die wichtigen Kinos der Stummfilmzeit so große Klangkörper leisteten.Carsten Niemann

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