KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

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ROCK

Zum Mitsingen schön:

The Hold Steady im Frannz Club

Leicht angegilbte Verstärker türmen sich auf der Bühne. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen – genau wie die Männer, deren Instrumente mit ihnen verkabelt sind. Nur die klobige Plastikuhr am linken Handgelenk von Sänger Craig Finn passt nicht ganz ins Retro-Bild. Der klassische Rock, den The Hold Steady neunzig Minuten lang runterbrettern, hingegen sehr. Sie drehen sofort voll auf, spielen schon als zweiten Song die Single „Hurrican J“ vom aktuellen fünften Album „Heaven Is Whenever“. Der Sound kracht stadionformatig durch den Frannz Club.

Seit die Band aus New York sich kürzlich von Keyboarder Franz Nicolay getrennt hat, besteht sie nur noch aus vier Mitgliedern. Für die Tour hat sie sich einen zweiten Gitarristen und einen Tastenmann dazugenommen, wobei das Keyboard nur selten einmal aus dem Gitarren-Malstrom herauszuhören ist. Tad Kubler zerrt eine Menge Soli aus seiner Gibson Les Paul. Die Hauptattraktion ist jedoch der dauerlächelnde Craig Finn, dessen Enthusiasmus und Euphorie nach und nach den ganzen Raum erfüllen. Mit beiden Händen fuchtelnd illustriert der 38-Jährige seine Texte und sieht dabei in seinem bis oben zugeknöpften Karo-Hemd wie eine Mischung aus Geografie-Lehrer und TV-Prediger aus. Er erzählt Mini-Dramen übers Trinken, übers Älterwerden und über die Frauen. So auch in „Sequested in Memphis“, einem Stück auf das Bruce Springsteen neidisch sein könnte. Es wird begeistert mitgesungen, genau wie der „Wohohooo“-Chor von „Stay Positive“ – eine Runde Stadionrock zum Abschluss eines beseelten Konzertes. Nadine Lange

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