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KUNST

Erdrisse und Erinnerungen: Pomona tanzt im Schinkel-Tempel

François Gaspard Adam, Bildhauer aus Frankreich im Dienste des Preußenkönigs Friedrich II., stellte das Element der Erde als Figurengruppe dar: Ceres lehrt Triptolemus das Pflügen. Ein zu Marmor erstarrter Moment der Mythologie, eine kleine Szene, erzählt an der Großen Fontäne von Schloss Sanssouci, aufgestellt 1758 als Teil einer Vierergruppe. Erst in diesem Jahr wurden die beiden Allegorien des Feuers und Wassers aus dem Ensemble durch Kopien ersetzt, um die Originale zu schützen. Anlass für den Potsdamer Kunstverein, nach zeitgenössischen Darstellungen der Elemente zu fragen: Im Pomona-Tempel auf dem Pfingstberg in Potsdam stellen bis Ende Oktober vier Künstler aus. Zurzeit beherrscht dort die Erde den hübschen Schinkel-Bau (bis 11. Juli, Sa+So 15–18 Uhr). Die Ausstellung überzeugt durch ihre Konzentriertheit; dicht gedrängt versammeln sich unterschiedliche Stile. Die Fotografien Bernd Krenkels sind Nahaufnahmen von Erdrissen und Sandverwehungen. Lutz Friedel zeigt hochformatige Autobahnbilder mit schwarzbrauner Ölfarbe und Bitumen, einem Erdöl-Gemisch. Harald Metzkes stellt luftiges Aquarell vom Kaiserstuhl aus. Susanne Tischewski verwandelt Erinnerungen ihres Mannes an Ginsterlandschaften in einen ginstergelben Text, gedruckt auf beschichtetes, genähtes, geklebtes, wund scheinendes Papier. Es ist die abstrakteste Arbeit der Ausstellung und doch am nächsten an der allegorischen Darstellung dran. Anna Pataczek

KUNST

Fenster und Felder: Die Akademie der Künste zeigt junge Stipendiaten

Dass man meint, doppelt zu sehen, hat Steve Sabella so gewollt. Schließlich bezeichnet er „Desorientierung“ und „Dislozierung“ als Schlüsselworte seines Werks. Indem der Fotograf Fenster aufnimmt, vervielfältigt und zusammenmontiert, handelt er sich ein ganz schönes Chaos ein. Die Bilder ergänzen und lenken jedoch voneinander ab. Anfang und Ende seiner Arbeit sind nicht auszumachen. Sabella ist einer von drei Ellen-Auerbach-Stipendiaten und elf Künstlern, die in der Akademie der Künste ausstellen. Die „Junge Akademie 2010“ zeigt Fotografien, welche sich Fremdheit und Heimat zum Thema machen (Hanseatenweg 10, bis 11. 7., Di–So 11–20 Uhr). So lichtet Anastasia Khoroshilova Menschen aus entlegenen Regionen Russlands ab, Yto Barrada hält an marokkanischen Iris-Feldern fest, die der Urbanisierung zum Opfer fallen. Es gibt aber auch etwas zu lachen: das Minivideo auf einem an die Wand geklemmten MP3-Player etwa, das tanzende Beine auf einer Hochzeit preisgibt – und ein kleines Mädchen, das nicht über die Beinhöhe Erwachsener hinausreicht. Seit 2006 fördert die Akademie der Künste junge Fotografen und richtet einen „Monat der Stipendiaten“ mit Lesungen, Konzerten und Filmvorführungen ein. Mit Bildern aus ihrem Exil in Palästina wird die Namensgeberin Ellen Auerbach in diesem Jahr außerdem selbst geehrt. Annabelle Seubert

ARCHITEKTUR

Säulen und Saris: Die BDA-Galerie

sucht das Gespräch mit Künstlern

Einmal errichtet, überdauern Häuser Zeiten und Geschmäcker. Deshalb ist Architektur immerwährende Konfrontation. Darauf setzt die Ausstellung „Time Lags“, mit der sich die Galerie des Bundes deutscher Architekten neu positioniert (bis 22. 7., Mommsenstr. 64, Mo, Mi+Do 10–15 Uhr). Zukünftig soll hier Architektur in Dialoge mit anderen Disziplinen treten. Dieses Mal ist es die Kunst: In seinen Radierungen verpflanzt Cyprien Gaillard Hochhäuser in Landschaften aus dem 17. Jahrhundert. Die Fremdheit dieser hineinmontierten Türme bezeugt die Wirkkraft von Architektur auf ihre Umgebung. Gaillard spielt mit dem Genre Landschaftsmalerei, in der antikisierende Säulen, Bögen und Tempel fester Bestandteil waren – ebenfalls aus der Zeit gefallene Architektur. Die Künstlerin Alexandra Leykauf schiebt Aufnahmen von öffentlichen Kunstwerken, Brunnen und Gebäuden zu konstruktivistischen Schwarz-Weiß-Fotografien zusammen, zu eigenständigen Räumen. Das Prinzip des Gegeneinanderschneidens verfolgt auch Louidgi Beltrame in seinem Video. Zwei Städte, zwei Länder prallen aufeinander, die von großen Architekten geplant wurden: Brasilia von Oscar Niemeyer und das indische Chandigarh von Le Corbusier. Das Medium Film zwingt dem Betrachter seine Blickwinkel auf. Wenn ein Mann über einen gigantischem Platz radelt und die Kamera ihn aus der Vogelperspektive aufnimmt, oder wenn sie zwei Frauen im bunten Sari durch eine verlassene Reißbrettstadt begleitet, zeigt sich das wahre Wesen dieser einst visionären Städte. Anna Pataczek

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