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Annabelle Seubert

KUNST

Afrika im Wohnzimmer: Julia Venske und Gregor Spänle im Kolbe-Museum

Sieht gemütlich aus, diese Wohnzimmerecke, die sich das Georg-Kolbe-Museum in seiner Kunstkammer eingerichtet hat. An der Wand klebt Tapete, davor läuft ein Flachbildfernseher. Und die Skulpturen, hier und da arrangiert, könnte man auf den ersten Blick für geschmackvolle Dekoration halten. Dabei spielen sie hier die Hauptrolle.

Julia Venske und Gregor Spänle brauchen eine Weile, um aus hartem Marmor putzige, weiche Figuren zu schleifen, die wie Schnecken am Boden haften. Die fertige Plastik belohnt das Künstlerpaar mit einem Namen – je nach Größe wird sie der Gruppe „Smörfs“ oder den „Gumpfoten“ zugeordnet – oder gar einer Reise. Letztes Mal ging es nach Afrika, wo Venske & Spänle den Kongo entlangschipperten und ihre Kreaturen mit ins Boot holten. Wie das aussieht, zeigt ihr Film „Voyage Congolaise“. Da liegt plötzlich so ein weißes Ding im Kanu, ohne ein Fremdkörper zu sein – oder es taucht gleich vierfach auf einem Kahn auf, um sich neugierig über die Reling zu lehnen und im Fahrtwind zu biegen und wiegen. Die Annäherung an Afrika als humorvolle Installation, noch dazu eine, die kulturellen Austausch zur Folge hatte: Eine Arbeit haben die Künstler dem Kongo überlassen und im Gegenzug zwei afrikanische Skulpturen mit nach Hause gebracht. Sie fügen sich mühelos in die Wohnzimmeratmosphäre der Kunstkammer ein. Annabelle Seubert

Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, bis 10. Oktober, Di–So 10–18 Uhr.

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