KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

KRAUTROCK

Kiffend durchs Universum rauschen:

Cluster in der Volksbühne

Elektronik, Mann. Du kannst jede Menge Geräusche machen, mit wenig Personal. Wer wüsste das besser als Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius, die Berliner Krautrock-Pioniere von Cluster, die bereits in der Siebzigern die Basis für die Entstehung von Knispel-Elektronik und Minimal-Techno legten. „Ihre Musik erscheint wie Einblendungen in kosmische Fahrten“, schrieb 1972 die Zeitschrift Sounds, „man durchquert Atmosphären, fängt Impulse auf, die in Jahrhunderte dauernder Monotonie durch den Weltraum jagen. Es scheint, dass die Astronauten Moebius und Roedelius niemals landen. Sie sitzen am Fenster, rauchen einen Joint und lassen sich’s gefallen“.

Beim Auftritt in der Volksbühne lässt sich vermuten, das sich die Vorstellung ihrer Weltraummission in 40 Jahren nicht verändert hat. Nur die Apparate sind kleiner geworden. Sonst alles wie gehabt. Die „Kosmischen Kuriere“ stehen sich an einem Elektropult gegenüber, um das Publikum auf Kometenbahnen in entrückte Paradiese zu geleiten, wo man beisammen sitzt und zu sich selbst findet. Aus den Boxen purzeln bekiffte Klangwolken, kosmische Trips fürs Kopfkino, deutsche Romantik, die im elektronischen Gewand seltsame Utopien entwirft und von einer lockeren Bumm-Tschak-Bumm-Motorik geschüttelt wird. Manchmal zirpt es wie der Sommerwind, um im nächsten Moment ein Unwetter einzuleiten. Meistens bewegen sich die Sounds aber in einem Wohlklang-Bereich, der sie als Musik zum Wegdösen kennzeichnet. Zischende, pfeifende, brummende Geräuschgebilde, die schließlich von einer Winzigkeit Langeweile aufgelöst werden. Dahinter das Nichts. Es ist ein Vergnügen mit Cluster durchs Universum zu rauschen, bevor Von Spar und Thomas Fehlmann mit Space-Pop und Techno-Beats die Weltraumdisco ansteuern. Bis in den frühen Morgen wird noch der Abschluss der Spielzeit gefeiert. Auch die Volksbühne hat gut gespielt! Volker Lüke

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