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Jens Hinrichsen

KUNST

Dialog und Trubel: Südafrikanisches in der Daimler Art Collection

Fast perfekte Tarnung: Ein Kinder-Shirt im Army-Look verschwindet beinahe im Blumenmuster eines Sofas. „Ampersand“ ist der Titel des Schwarzweißfotos, es stammt von dem in Pretoria geborenen Fotografen Abrie Fourie. „Ampersand“ – wie der Fachbegriff für das &-Zeichen – heißt auch die Ausstellung im Haus Huth, die Arbeiten von 17 südafrikanischen Künstlern mit Werken aus der Daimler-Kunst-Sammlung mischt (Alte Potsdamer Str. 5, bis 10.11., Mo–So 11–18 Uhr).

Wie Hemd und Sofa harmonieren auch die etwa 50 Arbeiten unterschiedlicher Herkunft miteinander. Die Werkfülle ist der Konzentration auf einzelne Objekte allerdings nicht förderlich. Ob ein Dialog entsteht oder nur ein Durcheinander vieler Stimmen, das ist schwer zu sagen. Der Südafrikaner Dineo Seshee Bopape profitiert von einem Extra-Kabinett. In der Abgeschiedenheit kommt der Film „Bird’s Milk“ über das Ende eine Beziehung – fließende, fliehende Bilder – besser zur Geltung als die Loops des Brasilianers Marcellvs L., dessen minimalistische Realitätshappen sich im Ausstellungstrubel schwerlich behaupten können. Stark, unantastbar: Die obskuren Installationen des Johannesburgers Willem Boshoff oder der „Dot Matrix Loop“ von Rowan Smith aus Kapstadt – drei Nadeldrucker füllen ein Endlospapier mit menschlichen Figuren, Tag um Tag, bis zur tintigen Überbevölkerung. Als kleine Erinnerung an die Fußball-Weltmeisterschaft hat sich auch ein Tor aus afrikanischen Hölzern hineingeschmuggelt. Mit Tüllschleier statt Netz wird aus dem androgynen Objekt von Simone Westerwinter „Die Braut“. Jens Hinrichsen

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