KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Michael Schulz

KUNST

Blut und Busch:

Simon Le Ruez und Yoba Valombola im Künstlerhaus Bethanien

Minimalismus und Voodoo, so lassen sich die zwei neuen Ausstellungen (Kottbusser Str. 10, bis 5.9., Di–So 14–19 Uhr) im Künstlerhaus Bethanien beschreiben. Die Arbeiten des Engländers Simon Le Ruez und des Namibiers Yoba Valombola – beide momentan zu Gast in der Einrichtung – bedienen ein breites Spektrum an Medien von Skulptur, Malerei, Zeichnung bis hin zur Fotografie. Im Ausstellungsteil von Le Ruez, „As Poison Leaks Away“, fällt besonders dessen Wahl einfacher Mittel auf. Deutlich wird dies bei einigen verfremdeten Fotografien. Ein Motiv zeigt posierende bewaffnete Männer vor einem Höhleneingang. Le Ruez übermalt jedoch Eingang und Männer in dunklem Rot, sodass ein Schwall Blut aus der Höhle zu strömen scheint. Der Künstler nimmt damit den waffenstarrenden Männern ihre heroische Haltung. Auch die Aufnahme einer Felsenlandschaft manipuliert Le Ruez so, dass er dem Betrachter eine bestimmte Perspektive aufzwingt: Mit aufgeklebten Fäden streicht er einen Felsen aus dem Bild heraus.

Voller Symbole und Zeichen präsentieren sich in „Exhitain“ die Werke von Valombola. Krokodile und Eidechsen, stilisierte trommelnde Buschmänner und immer wieder der Voodoo-Kult. Bei „God is a schizophrenic voodoo priest“ wird eine Bibel von Nägeln durchstochen, ebenso eine Leinwand, andernorts werden Puppen malträtiert. Einige auf dem Boden liegende Zeichnungen von schwarzen männlichen Geschlechtsteilen bleiben verschont. Dafür befinden sie sich gefährlich nahe an Mausefallen. Valombolas Motive spielen mit der klischeehaften Vorstellung des westlichen Betrachters über Namibia. Le Ruez’ und Valombolas Werke faszinieren, da beide unverbrauchte Ansätze zeigen. Michael Schulz

KLASSIK

Hall und Wort:

Dresdner Kreuzchor im Dom

Der Nachhall in dem Zentralbau des Berliner Doms hat seine eigene Aura. Er kann den Schlussakkord einer Musik so ausschwingen lassen, dass die Verlängerung eine Feier der Tonalität ist. Ein Gesang, der nicht enden will. Solche Momente der Konzentration auf das letzte Wort, das Amen bei Heinrich Schütz oder eleison bei Mendelssohn, schickt der Dresdner Kreuzchor in den Raum, geprägt von reiner Intonation und Klarheit. Wenn die Musik aber kompliziert für vielstimmige Chöre gesetzt oder von Polyphonie erfüllt ist, dann nimmt die Akustik ihr die Deutlichkeit. Das gilt für das ganze erlesene Programm der Kruzianer, das von Schütz, dem Wortkomponisten, dessen Text hier nicht zu verstehen ist, bis Brahms reicht. Domorganist Andreas Sieling kann auf seine sensible Registrierung der Zwischenmusiken bauen.

Der Chor steht in der A-cappella-Tradition zumal der Motetten Bachs: „Fürchte dich nicht“ mit der Chromatik denn ich habe dich erlöset bleibt hier in der Andeutung. So lässt sich nur erahnen, was Roderich Kreile erarbeitet hat: dynamische Differenzierung, Ausdruck in den Mendelssohn-Motetten, dazu stimmliche Qualität: „Denn er hat seinen Engeln befohlen.“ Der Knabenchor ist als Institution über sieben Jahrhunderte alt und Kreile sein 28. Kantor seit der Reformation.

Stolz oder Last für die heutigen Kinder und jungen Männer? Ihren Gesichtern ist keine Regung anzusehen, wenn sie in die Kirche einmarschieren und sie unter Applaus des Publikums wieder verlassen. Schon gar nicht, ob ihnen so ein Konzert Freude macht. Sybill Mahlke

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