KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

von

PERFORMANCE

Flug der Mikadostäbe: Jochen Roller

und Florian Feigl
in den Sophiensälen

Kunst und Theater sind lange schon ein Paar. Sie lieben sich, sie streiten sich. Wenn’s gut geht bei ihren Begegnungen, fliegen die Funken, erleben die beiden Gattungen, das Publikum Momente der Erhellung. Schwierig aber wird es, wenn auf der Bühne gefragt wird: Was ist Kunst? Die beiden Berliner Performer Jochen Roller und Florian Feigl versuchen es trotzdem in den Sophiensälen mit ihrer Inszenierung „Void“; zum Paten haben sie sich ausgerechnet den wohl am wenigsten greifbaren Künstler gewählt. Von Yves Klein, diesem Vorkämpfer des Immateriellen in der Kunst, der sich auch mit den eigenen physischen Widerständen nicht abfinden wollte, stammt die berühmte Fotomontage „Sprung in die Leere“, auf der er vermeintlich fliegt.

Mit Hilfe dieser Luftnummer, einer künstlerischen Behauptung eröffnet das Duo seine Führung durch eine virtuelle Ausstellung, die nur im Moment der Performance existiert. An jedem Sockel, zu dem das Publikum geleitet wird, handeln sie ein anderes Thema ab: Ist der Fälscher am Ende der bessere Künstler. weil er seine Fähigkeiten in den Dienst eines anderen Namens stellt? Müssen wir Kunstdieben nicht dankbar sein, weil sie den Wert eines Werkes steigern? Lauter schöne Fragen, die in einem klugen Vortrag besser aufgehoben wären. Stattdessen werden Mikadostäbe theatralisch geworfen, wird eine Champagnerglas-Pyramide aufgebaut. Von der großen Kunst bleibt am Ende nur kleines Theater. (wieder Sonnabend 18, 20 und 22 Uhr) Nicola Kuhn

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