KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Roman Rhode

JÜDISCHE KULTURTAGE

Schwelgerisch: Efrat Alomy

in der Synagoge Rykestraße

Der Raum mit seinem steinernen Himmel aus Neoromanik und Orient scheint wie für sie geschaffen. Denn Efrat Alony, die bei den Jüdischen Kulturtagen „New Jewish Folk Songs“ vorstellt, gibt sich ähnlich hybrid wie die Architektur der Synagoge Rykestraße. Zuletzt hat die in Berlin lebende israelische Sängerin mit ihrem Album „Dismantling Dreams“ für Aufsehen gesorgt – einer betörenden Soundcollage aus Jazz und Pop, angereichert durch ein Streichquartett. Nun lässt sie sich, eine Art Kantorin mit Scat-Einlagen, von der HR Bigband begleiten.

Ihren hebräischen Songs hat der Arrangeur Ed Partyka ein jazzorchestrales Gewand verliehen, das die Sängerin mit zarter Altstimme wie eine Stickerei umhüllt: Holz- und Metallbläser tauchen die schwelgerisch-träumerischen Lieder in fülligen Glanz, wiederholt gesellen sich Solisten an Saxofon, Flügelhorn, Posaune und Bassklarinette zur Vokalistin, tragen die Lieder fort ins Reich elegischer Improvisation. Das klingt, vor allem in dem als Suite angelegten ersten Set, erhaben, fast andächtig. Und doch gibt es zwischendurch immer wieder Eruptionen, wenn Alonys wendige, füllige Stimme auf das schrammelnde Stakkato der Gitarre trifft oder auf die virtuose Schlagwerkerin im Hintergrund, oder wenn die gesamte Band die Sehnsucht ins Crescendo überführt. Dass die schnellen, lauteren Passagen in der unbarmherzigen Halle ihre akustischen Konturen verlieren, dass in einem stillen Moment schwerer Augenlider plötzlich der Kuckucksruf eines Handys dazwischenfährt – Kleinigkeiten in einem großen Konzert. Roman Rhode

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