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KUNST

Elvis trifft Merkel: Kurt Wanski

in der Guardini-Galerie

Er hat die hellwachen Augen eines Kindes und das schmale Gesicht eines Greises. Will man die Ausstellung „Kurt Wanski – Die Parasiten des Ruhms“ in der Guardini-Galerie verstehen, empfiehlt es sich, zuerst das berührende Filmporträt von Gerd Kroske anzuschauen: „Kurt – oder Du sollst lachen“. Mit der Diagnose „Entwicklungsstand im frühkindlichen Stadium“ hat der heute 88-Jährige sein Leben in Heimen verbracht. Tagsüber wandert er durch die Straßen. In naiven Filzzeichnungen hält er fest, was er sieht: Konterfeis von Politikern wie Helmut Kohl oder Angela Merkel, die Silhouetten von Popgrößen wie Michael Jackson oder Elvis Presley, aber auch Madonnendarstellungen und ein Christus (bis 15.10., Askanischer Platz 4, Di – Fr 14 – 19 Uhr). Die Blätter beschriftet Wanski mitunter in Sütterlin und fügt in Versalien seinen Namen dazu, dahinter ein Ausrufezeichen. Früher hat er seine Arbeiten in den Ausstellungen anderer Künstler ausgelegt, nun hat er eine eigene Schau. Doch in dem Kunstraum wirken die Zeichnungen roh und verloren. Erst wenn man im Film sieht, wie Wanski im gemusterten Hemd geübt auf der Mundharmonika spielt, dann erhält man einen Eindruck von der Eigenheit seines Lebens. Simone Reber

VIDEOKUNST

Banause trifft Genie: Tim Lee

in der Daadgalerie

Konzerthaus und Philharmonie sind nur einen Katzensprung voneinander entfernt. Klassikgourmets dürfte indes kaum gefallen, was Tim Lee in der Daadgalerie anrichtet: Sein „Streichquartett Op. 1“, eine Interpretation des Stücks von Glenn Gould, klingt schauerlich. Freispruch für den legendären Pianisten und Komponisten Gould: Sein Interpret, der Crossoverkünstler Lee, hat die Instrumente einfach nicht im Griff. Dennoch überzeugt seine Videoinstallation als ironisches Spiel zwischen Geniekult und Banausentum (Zimmerstr. 90/91, bis 23.10., Mo – Sa 11 – 18 Uhr). Angelehnt an Gould, der sein Spiel mit der Technik des Bandschnitts ins Übermenschliche perfektionierte, setzt Tim Lee per Bild-Ton-Montage einen Bogenstrich an den anderen – mit dem Ziel, irgendwie durchzukommen. Auf den halbkreisförmig angeordneten Monitoren ist der Künstler viermal zu sehen und hören, mit leierndem Ton und schleppendem Rhythmus. Das Interesse an Gould verbindet den 1975 geborenen Performer mit der großen Objektkünstlerin Barbara Bloom, die ab 23. Oktober in der Galerie Lüttgenmeijer eine Installation zur tragischen Liebesgeschichte zwischen dem Pianisten und einem kaputten SteinwayFlügel zeigen wird. Jens Hinrichsen

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