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THEATER

Rattenscharf: „Ich bin da. Ich bin immer da“ im Theater RambaZamba

Anfang September feierte RambaZamba seinen 20. Geburtstag. Die Berliner Institution des integrativen Theaters versammelt in zwei Ensembles Spieler mit und ohne Behinderung. Die Gruppe Kalibani, die von Regisseur Klaus Erforth geleitet wird, hat sich zum Jubiläum einen Umzug durch den Prenzlauer Berg geschenkt. Die lustvoll musizierenden, lautstark skandierenden Kalibanis bildeten in fantasievollen Nager-Kostümen eine Straßentheater-Rattenfänger-Parade, die auf dem Hof der Kulturbrauerei mit dem Stück „Ich bin nicht geboren, Stein zu sein“ endete. Von diesem Werk haben Erforth und seine Akteure nun eine neue Version für den Theatersaal inszeniert – wieder im Zeichen der Ratte, dieses überaus sozialen, aber angefeindeten Tieres. Es sind szenische Miniaturen, befeuert von der famosen Icecreamband, die in der Commedia dell’arte wurzeln und in absurd-komischer, dann wieder beklemmender Form von Ausgrenzung und Repression erzählen; aber auch vom unverbrüchlichen Willen, den eigenen Kopf zu behaupten. Es ist eine Kunst, die ihre politische Dimension nicht suchen muss. Es ist ein Theater, wie es sonst keines gibt. „Hallo“, ruft es nach Vorstellungsschluss im Treppenhaus. Man dreht sich um, und da steht ein Kalibani und verkündet: „Ich hab das toll gemacht!“ Das haben sie alle.Patrick Wildermann

KLASSIK

Unscharf: Der Karl-Forster-Chor

im Konzerthaus

Wer Puccinis „Messa di Gloria“ hört, die der 22-Jährige für den Gottesdienst seiner Heimatgemeinde Lucca komponierte, der ahnt: Aus diesem Mann musste ein Opernkomponist werden. Beinahe jeden Takt drängt es zum dramatischen Ausdruck, zum Affekt. Leider wird der Karl-Forster-Chor, ein Laienchor, der seit Jahrzehnten verdienstvoll das Repertoire pflegt, der Emotionalität des Werkes im Großen Saal des Konzerthauses nicht gerecht. Wenig entschlossen ist der Klang, zu viele Einsätze kommen den entscheidenden Tick zu spät. Der Chor (Leitung: Volker Hedtfeld) wirkt ängstlich, geht nicht aus sich heraus – was er doch müsste, um überzeugend vom Credo, von der Kraft des Glaubens zu künden. Die Defizite werden gerade im Kontrast zum geschärften Klang des Konzerthausorchesters deutlich. Wenig Profil kann Tenorsolist Michael Zabanoff entwickeln, sein Basskollege Thomas Wittig bringt immerhin einen Ton von Unbedingtheit in das Stück. Auch vor der Pause, bei Strawinskys Psalmensymphonie, fehlt dem Chor das expressive Feuer, um dem beeindruckend archaischen Orchesterklang etwas entgegenzusetzen. Die Programmfolge wirkt wie ein Kompromiss. Um die Wandlung geistlichen Chorgesangs innerhalb nur einer Generation zu zeigen, wäre es besser gewesen, Puccini zuerst zu spielen. Udo Badelt

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