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TANZ

Der Feind in meinem Bett:

eine Performance von Two Fish

Die Berliner Compagnie Two Fish, vom tanzfreudigen Schauspieler Martin Clausen und der zur Sprache drängenden Choreografin Angela Schubot gegründet, neigt zur Schwarmbildung. So besetzen nun fünf Tänzer eine Weddinger Privatwohnung in der Buttmannstraße 15 (wieder heute, 18 und 21 Uhr): Die furiose WG- Performance „Christiane Müller zieht um“ ist der Auftakt einer kleinen Werkschau zum Zehnjährigen.

Die Wohnung als Offenbarungsort des Intimen: Mit Witz und Verve verwandeln Two Fish den Alltag in Kunst. Erst üben die Tänzer sich in Strategien der Kontaktvermeidung, um sich dann umso rabiater auf den Leib zu rücken. Da wird im Wohnzimmer Basketball gespielt, wobei Angela Schubot als Ball herhalten muss. Das Dribbeln, Passen, Fangen klappt prima – doch wenn die fünf zusammen auf der Couch hocken, reden sie beflissen aneinander vorbei. Auch wenn sie ab und an die Sehnsucht überwältigt: ihre Abwehrreflexe sitzen! Im Schlafzimmer lauert dann der Feind. Da fällt die liebeshungrige Verena Fleißer über den schreckhaften Thomas Conway her, kann nur mit einer Gutenachtgeschichte ruhiggestellt werden. Weitere Kontaktunfälle und Kommunikationssabotagen kann man dann am 29. und 30. 11. in den Uferstudios studieren. Mit dabei: die Rockband Dish und tolle Gäste. Sandra Luzina

THEATER

Lebensnah: „Unter der Treppe“

im Schlossparktheater

Ist das nicht hoffnungslos veraltet? Ein Stück über ein schwules Paar im London der 60er Jahre! Kann aus Charles Dyers „Unter der Treppe“ am Schlossparktheater etwas anderes werden als eine Aneinanderreihung flacher Kalauer im Stil von „Charleys Tante“? Ja! Die Ex-Burgschauspieler Oliver Stern und Lutz Blochberger füllen die Figuren Harry und Charles, die seit 20 Jahren ein Paar sind und einen Friseursalon in Brixton führen, mit abgrundtiefem Leben. Sie beschimpfen sich aufs Schlimmste („Ich bewundere deinen Mut zum Mittelmaß“) und kommen doch nicht voneinander los. Weil sie eine Notgemeinschaft sind. Und wahrscheinlich auch, weil sie sich lieben.

Während Charles auf Stil und Körper achtet, trägt Harry Socken in Sandalen und ist maßlos in die Breite gegangen. Aber wie Oliver Stern seinen massigen Körper einsetzt, wie er die Betriebstemperatur wechselt und von der verschwitzen Erregung zur stillen Verzweiflung umschaltet, wie in seinen schwarzen Augen eine fast mythologische Tiefe lauert, das hat große Klasse. Höhepunkt: Wenn er, der Kahlkopf, den Haarausfall als fürchterliches Leiden, als existenzielles Drama glaubhaft macht. Dass Regisseur Alfred Kirchner schon häufig Oper inszeniert hat, ist in jeder Szene spürbar (nur noch bis 26. Oktober). Udo Badelt

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