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KUNST

30 Minuten: Philipp Lachenmann

im Hamburger Bahnhof

Das Flugzeug wirkt wie eine Fata Morgana. Reglos und flimmernd steht die Landshut auf dem Rollfeld von Dubai, jene Lufthansa-Maschine, die 1977 von Terroristen entführt wurde und zwei Tage mit 86 Geiseln in der Wüstenglut parkte, ehe sie nach Mogadischu weiterflog. Mit „Space –Surrogate I (Dubai)“ führt Philipp Lachenmann die Halbwertzeit der Erinnerung an den Deutschen Herbst vor Augen. Die Videoinstallation ist von der Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie gekauft worden und wird jetzt im Rahmen einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof vorgestellt (bis 6. Februar täglich geöffnet, außer Montags). Lachenmann hat ein Standbild des Flugzeugs zu einem 30minütigen Video vervielfältigt. In der unendlich wirkenden Sequenz ruft er die nachträgliche historische Bedeutung des Fotos ins Gedächtnis. Im gleichen Raum hängt ein ähnlich gedehntes Bild. Der Künstler hat eine fünf Sekunden lange Filmsequenz von Männern der GSG 9 auf acht Minuten gestreckt.

Philipp Lachenmann, 1963 in München geboren, hat Architekturmodellbau gelernt, ehe er Kunstgeschichte und Film studierte. Den weiteren Arbeiten im Hamburger Bahnhof ist die Neugier auf ungewöhnliche Räume anzusehen – und die theoretische Überfrachtung. Es entsteht der Eindruck, dass diese Kunst sich ihre politische Bedeutung nur borgt. Simone Reber

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