KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Volker Lüke

ETHNOPOP

Fernweh: Salif Keita

im Haus der Kulturen der Welt

Es gibt Stimmen, die man nicht mehr vergisst. Wie die von Salif Keita, dem Sänger aus dem Geschlecht des Mandingo-Herrschers Sundjata Keita, welcher 1240 das malische Reich gründete. Als Albino geächtet, rettete sich Salif Keita in die Musik und siedelte 1984 nach Paris über. Zwölf Alben hat der 61-Jährige aufgenommen, von denen einige wegen ihrer Überproduktion für den westlichen Popmarkt ein zweifelhaftes Vergnügen sind. Zuletzt zog es ihn zurück in seine Heimat und damit zu den Wurzeln seiner Musik.

Souverän schlägt Keita im randvollen Haus der Kulturen das Publikum in seinen Bann. Angetrieben vom rastlosen Getrommel der drei Percussionisten bringt er seine glockenhelle Stimme zum Jubilieren und tanzt dabei seine neuen Turnschuhe ein, während sich die Gitarre von Ousmane Kouyaté in sphärischen Klängen verliert und Harouna Samaké die traditionelle Ngoni-Laute wie Jimi Hendrix hinter dem Rücken bearbeitet. Mittendrin das wunderbare „Folon“ als SoloNummer. Da wird es ganz still, bevor die Band wieder einsteigt und das begeisterte Publikum zu gewagten Bewegungen animiert. Tosender Applaus nach zwei Stunden. Und dann erhebt Keita noch einmal seine Gänsehaut-Simme, die er als Kind zu trainieren begann, als ihn sein Vater aufs Feld schickte, um die Affen, die sich an den Früchten zu schaffen machten, mit wildem Geschrei zu vertreiben. So viel steht fest: A Be Se Ka Donke Kosebe (Er kann wirklich singen!). Volker Lüke

KLASSIK

Nahziel: Das DSO

in der Villa Elisabeth

Wer die Villa Elisabeth an der Invalidenkirchstraße in Mitte als Ort für Musikveranstaltungen kennt, beäugte die neuen Gäste mit einem Hauch von Misstrauen: Bedeutet es den Anfang vom Ende des heruntergekommen Charmes der 1907 gebauten Villa, dass nun auch eine so etablierte Institution wie das Deutsche Symphonie Orchester den Ort für seine Kammermusikreihe entdeckt hat? Der Start mit dem Streichsextett des DSO gibt noch keine klare Antwort. Das Stammpublikum kommt trotz des sichteinschränkend niedrigen Podiums und leichten Zugs in den hinteren Reihen schnell in Stimmung und ertrotzt sich zuletzt eine nicht vorgesehene Zugabe. Das Spiel der Musiker hat dagegen noch etwas Poliertes, Sicherheitheischendes, denn ihr Wohlfühlprogramm aus Streichsextetten von Richard Strauss, Alexander Borodin und Antonín Dvoÿák setzt vor allem auf Klangschönheit. Der singend süße Geigenton von Olga Polonsky ist ein Ereignis, hat aber auf Dauer etwas Glattes, um nicht zu sagen: Gentrifiziertes. Hätte dagegen das ausdrucksvollere, körnigere Spiel der Bratscherin Eve Wickert stärker auf den Gesamtklang abgefärbt, wäre man dem Geist des Ortes womöglich nähergekommen. Carsten Niemann

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