KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

von

KLASSIK

Botschaft aus Franken: das DSO

mit dem Windsbacher Knabenchor

Das Deutsche Symphonie-Orchester ist deutlich darauf bedacht, dem Dirigenten Karl-Friedrich Beringer und seinem Windsbacher Knabenchor tatkräftig beizustehen. Denn der Chor ist ein „Markenzeichen Frankens“, das in der ganzen Welt auftritt. Wenn Beringer nun als Musiker in der Philharmonie zu erleben ist, sorgsam und vital, überrascht die Nachricht, dass ein Nachfolger gesucht wird, die Stelle ausgeschrieben ist. Zum Nachdenken über Verlust oder Gewinn eines Wechsels und darüber, dass es mitunter Streit gegeben hat um den Führungsstil des Chefs, bietet das Konzert keinen Anlass. Es ist eine vortreffliche Aufführung des Deutschen Requiems von Brahms. Den sanften Streichern antwortet gleichsam immateriell der Gesang „Selig sind, die da Leid tragen“, um ins Espressivo zu gelangen. „Selig“ dann die Dissonanz auf der unbegleiteten zweiten Silbe des Wortes. Beringer betont den Kontrast zwischen Totentanz und Trio „So seid nun geduldig“, das er relativ schnell nimmt. Unsentimental ist die Interpretation bis zum „Jauchzen“ der Soprane. Alexander Marco-Buhrmester singt mit dem Erz seines Baritons den Psalm „Herr, lehre doch mich“. Der Chor hat Kraft, die Fugen organisch zu gestalten und Christiane Oelzes Solo mit „tröstendem“ Ausdruck zu intensivieren. Das Ensemble der Windsbacher lebt von erworbener Gesangskultur, ob die Altisten oder die Bässe ihre Einsätze haben, pianissimo gar, wenn „der Geist spricht“. Ohne Kindertümlichkeit zu vermarkten, wirkt und klingt dieser Knabenchor wie ein kostbares Instrument. Sybill Mahlke

METAL

Schneller, härter, böser:

Napalm Death im SO36

Die Schockwellen von Halloween sind kaum abgeklungen, da treten im SO36 vier Bands auf, für die das Grauen noch eine echte Herzensangelegenheit ist. Zunächst aus den USA: Waking The Cadaver, Macabre und Immolation, alles Death-Metal-Knüppler, die wissen, wo der Sensenmann die Klinge wetzt. Hauptact sind Napalm Death aus Birmingham, die im Wettstreit um die härteste Musik noch immer vorne auf der nach oben offenen Hammerskala stehen. Dabei ist es bereits 25 Jahre her, dass die Grindcore-Pioniere Anarcho-Punk mit Death Metal zu einem explosiven Gemisch verdichteten, das seiner Zeit weit voraus war. Auch wenn seitdem unzählige Besetzungswechsel stattfanden, hält die Band am ureigenen Brachialsound fest und donnert mit der Genauigkeit, mit der andere Leute einen Apfel schälen, ein fettriffiges Hochgeschwindigkeitsgehacke in den randvollen Saal. Darunter jede Menge alte Klassiker wie „Scum“ oder „Suffer The Children“ sowie das obligatorische „Nazi Punks Fuck Off“ von den Dead Kennedys – mit quälwimmrig gestimmter Gitarre, Dröhnbass und einem Schlagzeuger, der noch den schnellsten Beat mit einem Doublebass-Teppich unterlegt. Sänger Barney Greenway brüllt, als gäbe es kein Morgen. „Wir spielen für eine friedvollere Welt“, erklärt er den sozialkritischen Bandansatz, der nicht jedem auf Anhieb einleuchten mag, außer denen, die ihre Körper quer durch den Raum werfen und sich beim Sprung von der Bühne eine blutige Nase holen. Wem das zu heftig ist, der kann heute zu Alice Cooper gehen. Volker Lüke

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