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von

ROCK

Stürmisch: The Drums

im Maria am Ostbahnhof

Wer sein Publikum warten lässt, wird schon mal mit Pfiffen begrüßt. Doch The Drums bringen die bei zwei Support-Acts und einer dreiviertelstündigen Umbaupause steifgestandenen Beine wieder in Schwung. Das Quartett aus Brooklyn zählt zu den interessantesten Entdeckungen eines Indierock-Jahrgangs, der zwar tolle Spinnercombos hervorgebracht hat, aber kaum Bands, die durch klassisches Songwriting zu überzeugen wussten. Doch die hier können es: Wie sich um einen druckvoll-nervösen, von Connor Hanwick mit minimaler Gestik geprügelten Beat ausgemergelte Gitarrenlinien schlängeln und Sänger Jonathan Pierce mit Morrissey-eskem Armgeruder inbrünstige Post-Teenage-Dramolette deklamiert, hat etwas Erhabenes. Da mischt sich der Weltschmerz nordbritischer New-Wave-Lamentos der späten Siebziger mit dem Eskapismus der kalifornischen Surfrock-Szene der Sechziger. Aus dieser Vermählung eigentlich unvereinbarer Temperamente entstehen kernige Dreiminutenkracher wie das programmatische „Let’s go Surfing“ oder das aufwühlende „Forever And Ever, Amen“, bei dem Jacob Graham und Tom Haslow in hypnotischen Gitarrenfiguren umeinanderkreiseln. Eine stürmische Stunde lang brechen Wogen melodischen Überschwangs über das Publikum herein, das diese mit einer Welle der Begeisterung zurückschwappen lässt. Jörg Wunder

KLASSIK

Schlüssig: Preisträgerkonzert beim

Grand Prix Emanuel Feuermann

Zu einem gelungenen Wettbewerb gehören inspirierende Pflichtstücke. Dass die Organisatoren des Grand Prix Emanuel Feuermann in dieser Hinsicht ein glückliches Händchen haben, beweist das Konzert der Preisträger im Konzerthaus. Dass es auch lohnt, sich den noch immer im Schatten Haydns stehenden Cellokonzerten von Carl Philipp Emanuel Bach zu widmen, zeigt die dritte Preisträgerin Konstanze von Gutzeit, die scheinbar nebensächliche Details wie eine Synkope oder eine Seufzerfigur als Ereignis begreift.

Das von Juror Thomas Demenga komponierte Pflichtstück „Efeu“ wiederum fällt auf so fruchtbaren Boden, dass der Sonderpreis für seine beste Interpretation zwei Mal vergeben wird: an Jugendpreisträger Benedict Klöckner sowie an den Wettbewerbszweiten Philip Higham. Letzterer führt elegant vor, wie man dem mit Schwierigkeiten gespickten Stück den Geist der Etüde austreibt. Der erste Preisträger Alexander Buzlov, der durch technische Sicherheit, Schönheit des Tons und Differenzierungskunst für sich einnimmt, hat zu Schumanns bekanntem Cellokonzert nichts Neues, aber schlüssiges Eigenes zu sagen. Unterstützt von der Kammerakademie Potsdam unter Michael Sanderling präsentiert er einen russisch angehauchten Schumann, der auch im schmerzlichen Ausbruch die Nerven behält. Carsten Niemann

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