KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Vera Pache
Kommunizierende Röhren. „Vierkantrohre“ (1967, Rekonstruktion 2009) von Charlotte Posenenske. Foto: Sammlung Daimler
Kommunizierende Röhren. „Vierkantrohre“ (1967, Rekonstruktion 2009) von Charlotte Posenenske. Foto: Sammlung Daimler

ARCHITEKTUR

Interaktiv: Stadtvisionen

von Ecosistema Urban

Die Zukunft der Architektur ist bunt. Zitronengelb, rot und himmelblau. Sie konzentriert sich auf den öffentlichen Raum, in dem mit einfachen, kostengünstigen Mitteln Veränderungen erzielt werden. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die diese Orte nutzen. So zumindest zeigt es Ecosistema Urbano, ein interdisziplinär arbeitendes Architektenbüro aus Madrid, dessen Arbeiten im Deutschen Architektur Zentrum zu sehen sind (bis 16. 1., Köpenicker Str. 48/49, Di-Fr 12-19h, Sa/So 14 - 19h). Da gibt es einen Kindergarten mit energieeffizienter Bauweise und eigenem Klärteich, der mit dem dazu gehörigen öffentlichen Platz zum Treffpunkt für die Bewohner des ansonsten öden Vororts von Madrid wurde.

Interaktion: Dieses Schlagwort spielt in allen Projekten von Ecosistema Urbano eine Rolle, zwischen Nutzer und Erbauer, zwischen Besuchern, zwischen der erlebbaren Welt und der digitalen Welt im Netz. Beim Entwurf des „Air Trees“ vor dem spanischen Pavillon auf der Expo Schanghai hat Ecosistema die digitale Interaktion so weit getrieben, dass von Open-Source-Architektur die Rede sein kann. Wer möchte, kann die Pläne zum zylindrischen Open-Air-Pavillon gratis im Netz herunterladen und daran weiterarbeiten.

Klimawandel, demografische Veränderungen und wirtschaftliche Entwicklungen erfordern neue Lösungsansätze für Architektur und Städtebau. Mit der Reihe „Formel X“ zeigt das DAZ junge Positionen dazu: Den Auftakt machte im Oktober Plasma Studio, ein Büro mit Niederlassungen in London, Peking und Tirol. Das Studio setzt auf schlichte, in weiß gehaltene Entwürfe, zum Beispiel für die internationale Gartenbauausstellung im chinesischen Xi’an oder bei Häusern mit ungewöhnlichen geometrischen Formen. So auch die Etage im Hotel Puerta America in Madrid, die mit schrägen, silber-grau-metallenen Wände an eine futuristische Höhle erinnert. Im Januar folgt der dritte Teil der Ausstellungsreihe mit den Berliner AFF Architekten und einer weiteren Vision für das Bauen der Zukunft. Vera Pache

DESIGN

Bäume aus Beton: Minimalistische

Kunst im Haus Huth

Fast wie im spätherbstlichen Tiergarten vor dem ersten Schneefall geht man in Martin Boyce’ Rauminstallation „Ein Wald“ an gefalteten braunen Papierblättern vorbei, an einem windschiefen Papierkorb und einem Metallbaum, der merkwürdig von der Decke hängt. Das abstrahierte Gewächs geht auf die 1925 von den Pariser Brüdern Martel entworfenen Betonbäume zurück. Dazu gesellt sich ein von Jean Prouvé entworfenes Bett. Die Ausstellung „Minimalism And Applied II“ verknüpft Kunst mit Design und Architektur (Haus Huth, Alte Potsdamer Straße 5, bis 27. März 2011, Mo-So 11-18 Uhr).

Vor drei Jahren stellte Daimler Contemporary Grenzgänger zwischen autonomer und angewandter Kunst aus. Die Folgeschau mit 16 Mitwirkenden ist eher als Gegenüberstellung inszeniert. Zum Teil hat der Dialog wirklich stattgefunden, wie bei Charlotte Posenenske – mit ihren entfunktionalisierten Vierkantrohren – und dem Architekten Ferdinand Kramer. Manchmal ereignet er sich nur virtuell: Teil eines Künstlerbuches von Sarah Browne ist ihr Brief an die bereits 1978 verstorbene Eileen Gray. Lampen und ein Teppich aus Grays Werkstatt sind wiederum in das „Cabinet“ des Berliner Künstlers Albert Weis integriert. Wer in diesen verspiegelten Raum hineingeht, wird als Reflektion ein Teil des Kunstwerks. Auch die Britin Gail Hastings würdigt das Publikum. Ihre Raumarbeit „Schwierige Kunst-Entscheidungen“ ist Handlungsangebot und zugleich eine Kritik der klassischen Minimalisten, die nach Ansicht von Hastings den Betrachterstandpunkt aus den Augen verloren haben. Jens Hinrichsen

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