KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

Elke Linda Buchholz

KUNST

Die Farbe funkelt: August Macke

in der Neuen Nationalgalerie

Der von Willem de Roij abgedunkelte Glaskubus der Neuen Nationalgalerie sieht derzeit so abweisend aus, als habe das Haus auf Dauer dichtgemacht. Doch beherzt hinein und hinab ins Kellergeschoss! Das Kupferstichkabinett hat eine wunderbare kleine Macke-Ausstellung in die „Modernen Zeiten“ implantiert (bis 13. Februar; Di–Fr 10–18, Do 10–22, Sa u. So 11–18 Uhr). Die drei Aquarelle von der legendären Tunisreise August Mackes 1914 funkeln geradezu vor Farbe und Licht – gerade richtig bei dem Winterschmuddelwetter draußen. Dass der 27-jährige Künstler diese schwebend leichten Bilder orientalischer Märkte und Gärten nicht mal eben hinskribbelte, sondern seinen Stil sorgfältig am Kubismus und Fauvismus schulte, lässt sich an den übrigen 33 Zeichnungen und Skizzen von 1911 bis 1914 studieren. Alle seine Lieblingsmotive sind da: die Flanierenden im Park, die Schaufenster, die Papageien im Zoo, der Zirkus und der Thuner See. Selbst die aus Graustufen aufgebauten Aquarelle und Kreidestudien zeigen mit ihrem facettenartigen Spiel der Bildbausteine, dass Macke selbst im schwarz-weißen Medium die Farbe immer mitdachte. Berlin verdankt diesen Schatz an Papierarbeiten zum großen Teil der Witwe des im Ersten Weltkrieg jung gefallenen Malers. 1921 machte sie der Nationalgalerie zahlreiche Blätter zum Geschenk – als Dreingabe zu den kostbaren Tunis-Aquarellen, die damals aus dem Nachlass erworben wurden. Elke Linda Buchholz

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