KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

von

KLASSIK

Rätselhaft: Bertrand de Billy dirigiert Mahler im Konzerthaus

Mahlers Sechste ist eine Komposition für Exegeten. Wie Schönberg die „schmerzzerwühlte Zerrissenheit“ umschreibt, die selbst ihren überirdischen Gegensatz erzeuge, so schildert Ernst Bloch dieses „Tonbild von Natureinsamkeit hoch droben“ mit den Herdenglocken. Beim Konzerthausorchester gastiert nun ein agiler Maestro, dem die philosophischen Deutungen ferner liegen: Bertrand de Billy. Das Allegro ernergico klingt in seiner Musizierlust eher wie ein „Frischauf!“-Mahler als ein tragischer a-Moll-Mahler. Der unerbittliche Marsch wie die Einheit mit dem Finale treten weniger katastrophenartig auf (prophetisch als Musik des 20. Jahrhunderts) als in tosend klangüppigem Schreiten. Dann fällt der Hammer. Kaum verwunderlich, dass die Zuschauer mit günstiger Sicht sich bei den Hammerschlägen köstlich amüsieren.

Neben dem großen Mahlerzyklus der Philharmoniker stellt das Konzerthaus den Komponisten 2010/11 in den Rahmen seiner Planungen. Das Orchester glänzt hier mit Horn-, Violinsolo, der ganzen reichen Besetzung. Der Axthieb des Schicksals, das Hohngelächter des Xylophons – de Billy liest die Partitur vor wie ein getreuer Korrepetitor, andächtig im ungewöhnlichen Ausgang. Alban Bergs Entdeckerjubel „Es gibt doch nur eine VI. trotz der Pastorale“ ist dieser Aufführung ferner als das Wort Mahlers: „Meine VI. wird Rätsel aufgeben.“ Sybill Mahlke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben