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KLASSIK

Schlag auf Schlag: Philharmonie Dessau im Konzerthaus

Manche Dinge ändern sich nicht. Weihnachten treibt es die Leute nicht nur in die Kirchen, sondern auch in die Konzerte. Die Anhaltische Philharmonie Dessau – die gerne in Berlin Flagge zeigt – bietet am ersten Feiertag nur ein reines Tschaikowsky-Programm an, nennt das Ganze „Russische Winterträume“, und schon ist das Konzerthaus voller als beim hauseigenen Orchester. Populärer als mit der „Schwanensee“-Suite kann man kaum beginnen. Trotzdem verhauen die Musiker unter Dessaus GMD Antony Hermus die vier Sätze, wobei vor allem Blech und Schlagwerk mit raubeinigem Einsatz die Dynamik aus der Balance bringen. Im Violinkonzert fehlt zum Glück das laute Blech. Solist Alexander Sitkovetsky spielt versunken, aber prägnant und charmant. Bei den virtuosen Passagen im ersten und dritten Satz aber deutet er vieles nur an, und schon wird das Spiel pauschal. Hermus stört’s nicht, er swingt mit ihm, als wolle er den gleichzeitig auftretenden Jazzern draußen auf dem Weihnachtsmarkt Konkurrenz machen. Bei Tschaikowskys 1. Symphonie kehren die Posaunen wieder, doch nun tönt’s besser austariert, die Bässe fallen mit samtschwarzem Zupfen besonders auf. Einem leichten Hang zur Hemdsärmeligkeit gegeben Hermus und das Orchester auch jetzt nach, immerhin glitzert ihr Spiel in den besten Momenten wie frisch aufgewirbelter Schnee. Udo Badelt

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