KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

Daniel Wixforth

KLASSIK

Wortgeklingel: Hans Liberg

in der Philharmonie

Hätten die europäischen Regierungschefs Hans Liberg gefragt – viele Probleme wären ihnen erspart geblieben. Der holländische Musik-Comedian erzählt in der Philharmonie, wie Bonaparte 1810 zu Beethoven nach Wien kam, in die Schubertstraße („Beethoven war seiner Zeit immer voraus!“), um einen Soundtrack für das von ihm vereinte Europa komponieren zu lassen. Mit Unterstützung der Hamburger Symphoniker, die sich unter Basil Coleman für keinen Spaß zu schade sind, zeigt Liberg am Flügel, was der zukunftsweise Beethoven damals alles probiert hat: Sirtaki und Bolero mixen? Haydns Kaiserquartett und Nokia-Klingeltöne? Oder das französische Mondlicht (Debussys „Claire de Lune“) mit dem deutschen („Mondscheinsonate“)? Klassische Musik ist per se nicht lustig, findet der Musikwissenschaftler – daraus erklärt sich sein Erfolg. Wenn Mozart zum „Schnappi“-Lied verkommt, wenn das Publikum mit dem Orchester um die Wette husten oder Stockhausen nachsingen soll, dann sprengt Liberg alle Konventionen des Klassikbetriebs. Lachen ist hier immer auch das Zelebrieren ungewohnter Freiheiten.

Nur reicht das nicht, um das zweistündige Programm „Symphonie Libergique“ konstant komisch zu halten. Vieles wird hektisch aneinandergereiht – nach der 20. Collage hat man verstanden, dass selbst Rachmaninow und Ray Charles mit denselben 12 Tönen komponiert haben. Und wer die grandios-sinnfreie Beethoven-Nummer von Helge Schneider kennt, der weiß, dass auch in Libergs Europa-Geschichte mehr Komisches geschlummert hätte. Daniel Wixforth

KUNST

Strichgestöber: Monika Jarecka

in der Galerie Weißer Elefant

Zugegeben, wo der Anfang endet und das Ende anfängt, ist diesen Gemälden nicht gleich anzumerken. Und schon gar nicht wo ihre Mitten liegen. Aber daran gewöhnt man sich, sobald Monika Jareckas blaue Linien auf schwarzer Leinwand nicht mehr an die Rechentafel aus dem Matheunterricht erinnern. Etwa weil ihre Striche an mancher Stelle einfach abknicken und die Richtung wechseln. Oder sich an anderer Stelle mehrfach überlagern, kreuzen und zu komplexen Vernetzungen entwickeln. Obwohl ihre Ausstellung in der Galerie Weißer Elefant (Auguststr. 21, bis 12.2., Di-Sa 13-19 Uhr) das wissenschaftliche „Ebenda“ als Titel trägt: Präzision und Symmetrie allein reichen Jarecka, Absolventin der Kunsthochschule Weißensee, nicht aus. Sie will die Struktur der Unordnung ergründen. Also vergisst die gebürtige Polin hin und wieder alles, was wie Geometrie, Gleichung und Großstadtfläche aussieht. Sie greift zu greller Ölfarbe, übt grobe Wischtechnik – und pinselt Formen darüber, die wilder nicht sein könnten. Linien, die sich irgendwo treffen, sich nicht um den Bildrand kümmern, sondern um Grashalme, Windböen und Natur. Annabelle Seubert

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