KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

KLASSIK

Trost statt Trauer: Gémaux-Quartett

im Kammermusiksaal

Beim ARD-Wettbewerb vor zwei Jahren erhielt das Baseler Gémaux-Quartett den Publikumspreis, nun galt ihm auch beim „Debüt im Deutschlandradio Kultur“ im philharmonischen Kammermusiksaal der Jubel einer überraschend jungen Zuhörerschaft. Es ist die unprätentiöse Natürlichkeit der vier jungen Musiker, die der Gattung alle akademische Unzugänglichkeit nimmt. Bei Streichquartett-Doyen Walter Levin und dem renommierten Salzburger Hagen-Quartett erhielten sie den letzten Schliff, verbinden Klangsinn mit strukturierender Aufmerksamkeit. Sie erfüllen Mendelssohns im Opus 82 zusammengefasste „Vier Stücke für Streichquartett“ mit beiläufigem Charme, zugleich führen sie vor, wie eine Fuge mal rasanter Tanzsatz, mal klangvolle Meditation sein kann. In Antonín Dvoráks Streichquartett G-Dur Opus 106 entfalten sich ihre individuellen Qualitäten: Dem von Naturlauten nur so zwitschernden Beginn gibt Primgeiger Yu Zhuang eine Feinheit und Leichtigkeit, die in gesanglichen Bögen aufs Intensivste aufblühen kann; Manuel Oswald steuert erdige Akzente bei; Sylvia Zucker und Uli Witteler wetteifern an Bratsche und Cello um Weichheit und Wärme des Tons.

Dieser Spielansatz macht auch vor dem spröderen Quartett Nr. 7 von Dmitri Schostakowitsch nicht halt, einer in spielerisch-burschikose Wendungen verpackten Klage um die erste Ehefrau Nina. Das äußert sich, bis auf wenige harte Ausbrüche, in filigraner, rhythmisch vibrierender Lieblichkeit – eher Trost- als Trauergesang. Isabel Herzfeld

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben