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THEATER

Gewissensfolter: „Komplize“

an der Vaganten-Bühne

Ein Fernseh-Interview hat Folgen. Die öffentliche Anklage des Journalisten Ben Kritzer gegen sein Land, die USA, schlägt hohe Wellen. Hat der Pulitzer-Preisträger Geheimnisverrat begangen, als er Foltermethoden aufdeckte, die jede Vorstellungskraft übersteigen? Dieser Frage geht Joe Sutton in seinem Stück „Komplize“ nach, und er scheut die schnelle, wohlfeile Empörung. Den Gewissenskonflikt überträgt der Autor auf nur drei Personen, das nicht öffentliche Gerichtsverfahren findet unsichtbar im Hintergrund statt – nur Kritzer, seine Frau und der befreundete Rechtsanwalt öffnen sich dem Publikum. Diese kühne Verknappung hat zur Folge, dass der Dialog alles tragen muss, eine Handlung im herkömmlichen Sinn gibt es nicht. Regisseur Joosten Mindrup hat damit doch Schwierigkeiten, das Geschehen auf der Vaganten-Bühne findet nur zögernd zu spannungsvoller Auseinandersetzung. Peer Jäger als Rechtsanwalt Roger Cowan weiß aus der Not des knappen spielerischen Angebots noch am meisten zu machen. Sein penibel gekleideter Anwalt ist Vertrauter und Verräter zugleich, freundlich, überlegen, Schwächen ausspähend. Fritz Bleuler holt die Nervosität des Journalisten aus einer mehr und mehr wachsenden Angst. Er zeigt nicht den Widerstand, sondern den Zerfall. Sein Journalist verliert Kraft, beginnt, vielleicht zu schnell, an sich selbst zu zweifeln (nächste Vorstellungen am 28. und 29. Januar sowie vom 17. bis 19. und am 21. Februar). Christoph Funke

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