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SWING

Man lebt nur einmal: Die Bigband

der Deutschen Oper feiert

Noch bevor der Abend beginnt, ist er schon ein Erfolg. Die Deutsche Oper ist rappelvoll, und auch wenn der dritte Rang gesperrt ist, sind das weit über tausend Besucher, die gekommen sind, um die hauseigene Bigband zu hören. Die wurde erst vor fünf Jahren gegründet, aber schließlich lebt man nur einmal, also warum nicht jetzt Jubiläum feiern? Posaunist und Moderator Sebastian Krol nimmt zwar mit einer langen Danksagungsarie das Tempo erstmal wieder raus, kann aber durch trockenen Berliner Humor für sich einnehmen.

Die Band tut das sowieso. Mit nur leicht akademisch angehauchtem Swing, mit schillernden Klangfarben im Blech und glänzenden Solo-Nummern. Da ist das rauchige Tenorsaxophon von Peter Ludwig, da ist der lässig gezupfte Bass von Christoph Niemann, da ist auch das dunkel-prägnante Altsaxophon von Oliver Link in Charlie Parkers „Billie’s Bounce“ oder in „Pink Lips“ von Leiter Rolf von Nordenskjöld.

Enttäuschend allerdings der Auftritt von Georgie Fame, der die Reste seines Ruhms nur noch verwaltet. Der 67-Jährigen kommt auf die Bühne, als hätte er sich verirrt und säuselt in sich hinein, als sei’s ihm egal, ob er verstanden wird. Für die einschläfernde Version seines Hits „Ballad of Bonnie & Clyde“ gibt es bestenfalls freundlichen Applaus – alles ein bisschen sehr authentisch. Wie anders dagegen Partnerin Madeline Bell. Drahtig, eruptiv, verspielt, witzig, mit Power in der Stimme und einem Grinsen, bei dem die Sonne aufgeht. Sie sollte man in fünf Jahren unbedingt wieder einladen. Am besten schon eher. Udo Badelt

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