KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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KLASSIK

Königlich: Donald Runnicles und

Anja Harteros in der Deutschen Oper

Die Jupiter-Sinfonie sei kein Einleitungsstück, hat Zubin Mehta vor einem Konzert mit den Wiener Philharmonikern gesagt und sein Programm entsprechend umgestellt: den großen, „unglaublichen“ Mozart an den Schluss. Die Deutsche Oper indes geht ihren Weg lieber nach Maßgabe spaßgesellschaftlicher Relevanz. Daher tritt vor dem Einspielstück KV 551 der erfolgreiche Glücksdoktor Eckart von Hirschhausen auf, Kunststoffhirn und Videos im Gepäck, um als Arzt/Komödiant auf dem Glückspfad zu bummeln. Die Hirnhälften des Menschen sind Thema und das Glück der Musik. Es fällt schwer, dem Störer böse zu sein, dessen Ungeduld diese „Moderation“ unterbricht. Unvermittelt folgt später einem Halleluja-Sketch die stockende Einleitung zu „Tod und Verklärung“ und nach der Aufführung ein Moment der Stille.

Mit der vollen Konzentration des Orchesters der Deutschen Oper Berlin nämlich erweist sich, was für ein großartiger Strauss-Dirigent GMD Donald Runnicles ist, der funkelnde Klänge mit Vehemenz, Pathos mit Wachsamkeit steuert. Vitaler baut sich seine Darstellung auf als die seriöse Lesart, die jüngst von Leopold Hager im Konzerthaus zu hören war.

„Königin“ nicht nur jenes Wiener Faschingsballs, von dem sie singt, sondern auch dieses Abends an der Bismarckstraße ist Anja Harteros. Zumindest in ihrer Interpretation der Schlussszene des ersten „Arabella“-Aufzugs widerlegt sie die Befürchtung, die Richard Strauss Hugo von Hofmannsthal gegenüber geäußert hat, seine Titelheldin könne „nicht genügend interessant“ werden. Harteros singt Liebe zu einem ihr noch fremden Mann mit beseelter Klarheit, eine stimmliche Offenbarung. Und mit dem meditativen Hochseilakt der „Capriccio“-Gräfin scheut sie keine Grenzen. Sie singt heftig und zart, nichts weniger als „leidenschaftlich bewegt“. Sybill Mahlke

KUNST

Allein in China: Bilder aus Peking

in der Guardini Galerie

Nicht ein Staubkorn liegt auf Pekings Straßen. Zumindest nicht da, wo die Häuser aus Glas sind, die Clubs schick und die Menschen chronisch unzufrieden. Wo alles ein wenig gleich aussieht, das Grau des Asphalts dem Grau des Himmels ähnelt und Individuen in Anzügen versinken. Erst abseits der Vorzeigebezirke, in Gässchen und auf Hinterhöfen vermischt sich Schutt mit zerrissenen Tüten und zerfledderten Zeitungen. Dort blättert der Putz ab, die Wäsche wird auf Parkplätzen aufgehängt, die Tuk-Tuks stehen vor Cola-Werbetafeln voll unbekannter Schriftzeichen.

Miao Xiaochun hat die Facetten seiner Heimatstadt genau untersucht, bevor er sie auf Fotos festhielt und zu hyperrealistischen Panoramen anordnete. Um dann einen Stilbruch zu begehen, seine digitalen Metropolenausschnitte mit altbewährter Tuschmalerei zu bearbeiten und auf ornamentverzierte Rollen zu kleben. Dass der chinesische Medienkünstler eine Zeit lang in Deutschland studiert hat, ist seinen „Beijing Handscrolls“ in der Guardini Galerie anzumerken – er kombiniert Technik mit Tradition, westliche mit asiatischer Kultur (Askanischer Platz 4, bis 1. April, Di - Fr 14 - 19 Uhr). Er findet Imbissstände, Fahrräder, Strommasten. Und statt wuseligem Treiben bloß starre Gesichter in Parkanlagen, unbewegliche Kinder auf Spielplätzen. Alleinsein in der Menge sieht in China gar nicht so anders aus als hier. Annabelle Seubert

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