KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

Daniel Wixforth

KLASSIK

Zweimal die Sechste: Kochan und Beethoven im Konzerthaus

Das ist eine ganz schön vorgekaute Vorführung von Kontrasten, die das Konzerthaus da auftischt. Erst eine technokratisch-sperrige Uraufführung, die das Programmheft als „verständnisvolle Geste im Hinblick auf eine lokale Aufführungs-Tradition“ ankündigt und dann diese „Pastorale“, die so leicht bekömmlich ist, dass man stellenweise vergisst, überhaupt etwas zu sich genommen zu haben.

Günter Kochan, dessen vierte und fünfte Sinfonie schon vom Konzerthausorchester (damals noch Berliner Sinfonie-Orchester) uraufgeführt wurden, zeigt sich in seiner sechsten, deren Premiere der 2009 verstorbene Komponist nicht mehr miterleben kann, als trockener Analytiker der Tradition. Wie eine entfremdete Deformation von Richard Strauss’ „Zarathustra“ klingt zu Beginn das Wechselspiel zwischen tritonuslastigen Blechfanfaren und hämmernden Pauken. Feine Clusterteppiche, hauchdünn geschnitten, bilden die Grundierung für lyrische Ausflüge der Solo-Holzbläser – das alles in mehr oder minder strenger Zwölftonigkeit, rhythmisch und gestisch aber eisern traditionsorientiert.

Lothar Zagrosek am Pult lässt dieser rationalen Ungemütlichkeit freien Lauf, passt sie doch allzu gut in sein kontrastives Vorhaben, Beethoven danach als braven Landschaftsmaler darzustellen. Nur verkommt die Sechste zur konfliktlosen Naturbetrachtung, zum oberflächlichen Standbild. Etwa im zweiten Satz, wenn die „Szene am Bach“ in uninspirierten Tempi vor sich hinplätschert So verstanden, ist Beethoven der Anti-Kochan. Aber das wusste man schon vorher. Daniel Wixforth

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