KURZ & KRITISCH : KURZ & KRITISCH

von

AUSSER KONKURRENZ

Hartgekocht: Philippe Le Guays

„Les femmes du 6ème étage“

Sie spielen das ja ganz nett. Fabrice Luchini den sanftmütigen, femininen Reizen nicht abgeneigten Investmentberater, Sandrine Kiberlain sein Luxusweibchen von Ehefrau, Natalia Verbeke das hübsche spanische Hausmädchen, das mit einem Halbdutzend abnehmend hübscher spanischer Hausmädchen jeden Alters unterm Dach eines großbürgerlichen Pariser Hauses des Jahres 1962 wohnt. Aber was spielen sie da eigentlich ganz nett? Eine von dem als Regisseur nicht eben nachhaltig hervorgetretenen Franzosen Philippe Le Guay angerichtete, durchaus staubige Komödie über den Hang zum Küchenpersonal, die sich als Multikultistück mit sozialer Grenzsprengkraft tarnt. Dreieinhalbminuteneier spielen eine nicht unwesentliche Rolle in diesem 100 Minuten währenden Werk, das in der vom Festivalchef Dieter Kosslick besonders geherzten Reihe Kulinarisches Kino wohl am besten aufgehoben gewesen wäre. Jan Schulz-Ojala

Heute 15 Uhr (Friedrichstadtpalast) und 22.30 Uhr (Urania); 20. 2., 15.30 Uhr (Friedrichstadtpalast)

FORUM

Fix: „Jagadanchak: Shidaejeongshin Kwa Hyeonshilchamyeo“

Ein radikal destruktives Gegenstück zum andächtigen Ton vieler Forumsfilme ist diese anarchistische Politsatire aus Südkorea, die Kulturvermittlung der besonderen Art betreibt: Ohne jede Erklärung wird man ins brodelnde Wasser hineingeschmissen und darf dann irgendwie an Land schwimmen. Der Film mit dem längsten Titel im Forumsprogramm ist offensichtlich für ein heimisches Publikum gemacht und inszeniert in wildwitziger, rasanter und höchst raffinierter Collage aus Animation und Realfilmschnipseln dortige Zeitgeschichte. Mit dabei sind hübsche Blockflötenspielerinnen, animierte Ratten und als Hauptdarsteller ein kulleräugiges und notgeiles Polizeimaskottchen namens Podori, das mit dem Staubsauger zum Großreinemachen antritt. Im Detail verständlich ist das für Nicht-Koreaner alles nicht, doch über den comicartig agressiven Erzählton bekommt man erstaunlich schnell ein Gefühl für den Kontext. Und bei aller Fremdheit ist die politisch-kulturelle Gemengelage im fernen Osten dem Rest der Welt dann doch ähnlich genug, dass man als westlicher Zuschauer auch bösartige Anspielungen versteht: Über einem Schreibtisch steht ein Schild mit der Aufschrift „work will set you free“. Silvia Hallensleben

Heute 22.30 Uhr (Arsenal); 17. 2., 15 Uhr (Cubix 7)

FORUM

Himmlisch: „The Ballad of Genesis and Lady Jaye“

Im Keller einer Domina begegnen sie sich zum ersten Mal. Passender geht es kaum für den Underground-Musiker Genesis P- Orridge und die Underground-Performerin Jacqueline Breyer. Hier beginnt ihre große, ungewöhnliche Liebe, über die Marie Losier einen angemessen abgefahrenen und romantischen Film gemacht hat. „The Ballad of Genesis and Lady Jaye“ – ein Höhepunkt des Forumsprogramms – verbindet kunstvoll Dokumentarszenen, Konzertausschnitte und theatrale Miniszenen miteinander. Im Zentrum steht das „Pandrogyny“-Projekt des Paares, in dem es darum geht, dass zwei Individuen ein neues Wesen erschaffen, ohne ein Kind zu zeugen. So lassen die beiden ihre Körper durch Brustimplantate, Wangenkorrekuren und Lippenaufspritzungen immer weiter angleichen. Man sieht sie mit frischen Mullbinden um den Kopf. Beim verliebten Blick in den Spiegel bewundern sie ihre „himmlischen Körper“. Für P-Orridge, der ab Mitte der Siebziger mit den Bands Throbbing Gristle und Psychic TV das Industrial Music-Genre mitbegründete, ist das die Fortsetzung der Cut- Up-Technik von Burroughs, die er schon damals angewendet hat. Und wie er das als leicht abgetakelte Blondine erklärt, wirkt total einleuchtend. Nadine Lange

Heute 16.30 Uhr (Delphi); 17. 2., 16.30 Uhr (Cinestar 8); 18. 2., 22.15 Uhr (Cubix 9); 20. 2., 12.30 Uhr (Arsenal)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben