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Der Arzt (Ge You) und der Attentäter
Der Arzt (Ge You) und der Attentäter

GENERATION

Ein Dorf lernt Versöhnung:

„Bad o meh“ aus dem Iran

Sahand (Masume Shakori) spricht nicht mehr. Sein Vater (Arasto Safinejad) weint, als er ihn und seine Schwester Shooka zum Großvater in die Berge bringt. Der Junge hat gesehen, wie die Mutter bei einem Bombenangriff getötet wurde. Jetzt weiß er selbst nicht mehr, wie das geht mit dem Weiterleben.

„Bad o meh“ (Wind und Nebel) ist ein herausragender Antikriegsfilm. In eindrucksvollen Bildern entwickelt der iranische Regisseur Mohammad Ali Talebi seine Geschichte: wie die Dorfkinder erst den Konflikt der Krieg führenden Erwachsenen nachahmen und den kleinen Sahand mobben. Wie Shooka, der erst neun Jahre alt ist, ihn verteidigt. Wie die Kinder und schließlich das ganze Dorf lernen, es besser zu machen. Am Ende entscheidet sich Sahand für das Leben, ein weißer Vogel schwingt sich in den Himmel.

Man kann in „Bad o meh“ einen Mutmacherfilm sehen, aber dazu muss man erst einmal akzeptieren, dass Erwachsene Kindern die Mutter wegreißen und dass Sahand für sein Leben traumatisiert bleiben wird. Ein weißer Vogel ganz am Schluss ist für die meisten Kinder – der Film ist empfohlen ab zehn Jahren – ein schwacher Trost. Dieser Beitrag hätte in den Wettbewerb gehört. Susanna Nieder

Heute 15 Uhr (HKW1); 18. 2., 10 Uhr (FaF); 20. 2., 12.30 Uhr (HKW1)

SPECIAL

Ein Vater will Rache:

„Zhao Shi gu er“ von Chen Kaige

Eine Mücke tötet den König. Die dezente Attentäterin ist Teil eines Staatsstreiches, dem außerdem rund 300 Mitglieder der königstreuen Zhao-Familie zum Opfer fallen. Hinter der Aktion steckt der Minister Tu’an Gu (Wang Xue Qi), der auch den gerade geborenen jüngsten Zhao und gleichzeitigen Königsneffen töten will. Doch bei der Suche nach dem Baby gibt es eine Verwechslung: Hofarzt Cheng Ying (Ge You) opfert sein eigenes Neugeborenes für den Zhao-Jungen, den er wie einen Sohn aufzieht. Das Herz des Arztes, der auch seine Frau bei dem Blutbad verlor, ist gebrochen. Doch er hat einen Racheplan: Wenn der Junge, den er Bo’er nennt, groß genug ist, soll er Tu’an Gu töten.

Nach einer etwas hektischen Exposition entfaltet Regisseur Chen Kaige („Lebewohl, meine Konkubine“) sein historisches Drama „Zhao Shi gu er“ (Sacrifice) geduldig und fesselnd. Die Martial-Arts- Szenen inszeniert er geradezu beiläufig, denn im Zentrum steht die Vater-Sohn- Geschichte. Cheng Ying bindet Bo’er extrem eng an sich, lässt ihn nicht zur Schule gehen und verstärkt so dessen pubertäre Rebellion. Er liebt den Jungen und doch behandelt er ihn zutiefst unfair. Denn Bo’er bleibt sein Rachewerkzeug. Dass Gut und Böse nicht trennscharf sind, ist eine Stärke des Films, der mit Ge You und Wang Xue Qi zudem zwei hervorragende Hauptdarsteller hat. Nadine Lange

Heute 18 Uhr (Cubix 8)

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