KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

KLASSIK

Noblesse: das Mandelring Quartett im Kammermusiksaal

„Frühe und späte Meisterschaft“ präsentiert das Mandelring Quartett zum Auftakt seiner dreiteiligen Konzertreihe im Kammermusiksaal. Mutig und klug hat man Haydn in den Mittelpunkt gerückt – was sonst oft als harmlose „Einspielmusik“ verschenkt wird, kann nun seinen Geist und Witz voll entfalten. Im späten F-Dur-Quartett op. 77 Nr. 2 fasziniert der Erfindungsreichtum, mit dem winzige Motive auf unendliche harmonische Reisen geschickt werden oder rhythmische Verschiebungen stattfinden, etwa wenn im Menuett ein zweigliedriges Metrum den ehrwürdigen Tanzrhythmus unterläuft. Leichtigkeit, schlanke Klangschönheit und atemberaubende Transparenz kennzeichnen das Spiel der Mandelrings. Köstlich, wie sie sich im Andante das lieblich geschwungene Thema zur solistischen Zurschaustellung gegenseitig abjagen, funkensprühend die Laune im Finale. In Mendelssohns Es-Dur-Quartett op. 12 ist es Primarius Sebastian Schmidt, der hier wahre Violinkonzerte abzuliefern hat, doch nichts kann die weich- und warmtönende Balance seiner Partner erschüttern. Was in den ersten drei Sätzen lyrisch-lieblich, manchmal auch ein wenig biedermeierlich klingt, wandelt sich im Finale in aufschäumende Leidenschaft – die Spätromantiker César Franck in seinem monumentalen Klavierquintett ins Unermessliche zu steigern weiß. Hier hält Klavierpartner Tomer Lev aus Tel Aviv die rot glühenden Fäden in der Hand, überwältigt mit dem Kontrast wilder Klangattacken und melancholischer Abschattierungen. Ein kleines Wunder, wie das Ensemble in diesem Breitwandepos transparente Contenance wahrt, in seinem mäandernden Fluss strukturierende Akzente setzt und mit unbestechlicher Noblesse alle geschmacklichen Klippen umschifft.Isabel Herzfeld

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben