KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

POP

Diese Klänge! José González

im Admiralspalast

Immer wieder mal scheitert der Versuch, Pop und Rock mit sinfonischer Musik zu versöhnen. Man erinnert sich mit Grausen an Streicherkitsch zu Heavy-MetalRiffs, Deep Purple oder die Scorpions haben sich da unrühmlich hervorgetan. Wie inspirierend diese Mesalliance sein kann, zeigen der schwedische Songwriter José González und die Musiker von Göteburg String Theory im ausverkauften Admiralspalast. Die Annäherung erfolgt in drei Schritten: Erst singt González allein zur Konzertgitarre das ruhige „Hints“. Dann folgt mit akustischer Band „In Our Nature“, der melancholischen Studioversion verwandt. So weit, so gut – es könnte der solide Auftritt eines sympathischen FolkBarden mit verführerischer, etwas modulationsarmer Stimme werden.

Doch nun kommen noch mal 15 Streicher und Bläser hinzu und intonieren ein bedrohliches, von herzschlagartigem Pochen durchzogenes Intro zu „Far Away“, das in einer furiosen Orchestervariation explodiert. González’ schlichte Songs werden durch die komplexen Arrangements auf eine höhere Ebene gehoben, ganz zu schweigen von der Bühnenpräsenz eines wild wogenden 20-köpfigen Klangkörpers, den ein schlaksiger Berliner namens Nackt mit expressiver Gestik dirigiert. Am eindrücklichsten gelingt dies bei „Teardrop“: Im Original ein opulenter TripHop-Track von Massive Attack, den González aufs melodisch-rhythmische Gerippe reduziert hat. Nun wird er mit einer cineastischen Wucht aufgeladen, die einen in die Sitze drückt. Aus denen springt das Publikum zu minutenlangen Ovationen auf. Operation gelungen, dem Patient geht es bestens.Jörg Wunder

KUNST

Dieses Licht! Ein lehrreicher

Parcours in der Gemäldegalerie

Rembrandts Augen liegen verschattet, doch im Augenwinkel schimmert ein vager Lichtreflex, wer weiß woher. Erst dieses Licht gibt dem 1634 gemalten Selbstbildnis seinen eigentümlichen, an- und abwesenden Ausdruck. Das Licht ist da, man muss es nur sehen. Und plötzlich enthüllt das berühmte Gemälde ein Stück seines Geheimnisses. Ein Parcours aus 20 Texttafeln lenkt den Blick darauf, wie das Licht in die Malerei kommt und im 17. Jahrhundert zum bildstrukturierenden und sinnstiftenden Faktor wird (bis 8. Mai). Spannend, präzise am Original und im wahrsten Sinne erhellend erläutert die interdisziplinäre Forschergruppe „Historische Lichtgefüge“ Wirkungsweise, Maltechnik und Kulturgeschichte eines Phänomens, das so selbstverständlich die Grundlage aller Malerei bildet, dass man es fast übersieht. Mittelalterliche Künstler brachten den Goldgrund zum Funkeln, später erst durchdringen und bedingen sich Farbe und Licht, schaffen Räume und Stimmungen, ziehen den Betrachter ins Bild oder halten ihn auf Distanz.

Eine kleine Geschichte des Lichts anhand herausragender Meisterwerke von Caravaggio bis Vermeer leistet diese unaufwendige Intervention in die ständige Sammlung. Ohne Raumplan ähnelt der chronologische Parcours allerdings teils einer Ostereiersuche in den weitläufigen Räumen. Zum vertiefenden Ausgleich: Ab Donnerstag – Besuchervoranmeldung unter phil.weiss@snafu.de – diskutieren Experten in einem dreitägigen Colloquium im Kunstgewerbemuseum über Lichtphänomene in Malerei, Naturwissenschaft und Philosophie des 17. Jahrhunderts. Elke Linda Buchholz

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