KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

KLASSIK

Feuerkopf: 
Krysztof Urbanski

mit dem DSO in der Philharmonie

Frisuren von klassischen Musikern sind im Vergleich zur Haartracht von Fußballern erschreckend langweilig. Auch daher ist Krysztof Urbanski mit seinem fransigen Feuerkopf, der perfekt zu seinem elegant gestylten Auftrittsstil passt, eine Abwechslung. Doch obwohl Urbanski den Verlauf einer Komposition auf publikumswirksame Weise choreographisch nachzuzeichnen weiß, bleibt er doch auf die Musiker des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin fokussiert, die sein „Debüt im Deutschlandradio“ in der Philharmonie begleiten (das Konzert wird am heutigen Freitag um 20.03 Uhr im Deutschlandradio Kultur übertragen).

Das kommt nicht nur „Till Eulenspiegel“ von Richard Strauss entgegen, den er glasklar liest, sondern auch dem Zusammenspiel mit den beiden anderen Debütanten des Abends. Bei einer Balance zwischen kammermusikalischen, orchestralen und lyrischen Momenten gelingt dem 1991 geborenen Bratscher Adrien Boisseau ein inniges Plädoyer für das unbekannte Violakonzert des 1943 in Sobibór ermordeten Niederländers Leo Smit.

Zu einem Fest sensiblen Musizierens wird schließlich Max Bruchs Doppelkonzert für Klarinette und Viola. Wie ein liebevoller Bruder verzichtet der Klarinettist Pierre Génisson dabei immer wieder auf die Rolle des Primus inter pares, um die Bratschenpartie mit seinem leuchtenden Ton sensibel präsent zu umspielen. Carsten Niemann

KUNST

Blähbäuche: Bernhard Nürnberger

beim Verein Berliner Künstler

Verwirrung, Verzweiflung – wo anfangen, ist hier die Frage. Bernhard Nürnbergers Skulpturen starren den Betrachter aus grotesken Gesichtern an. Bunte Bilder mit undefinierbaren Motiven hängen an der Wand. Im Durchgang steht eine Figur mit türkisem Kopf und aufgeblähtem Körper aus Luftpolsterfolie, die an die böse Königin aus Alice im Wunderland erinnert. Daneben hängt eine Collage aus männlichen Geschlechtsteilen antiker Statuen. Nichts scheint hier zusammenzugehören.

„Konspiration der Dinge“ lautet der Titel von Bernhard Nürnbergers Ausstellung in der Galerie des Vereins Berliner Künstler (Schöneberger Ufer 57, bis 10. 4.; Di - Fr 15 - 19 Uhr, Sa/So 14 - 18 Uhr). Er ist Träger des Benninghaus-Preises, den der Verein verleiht. Gezeigt wird ein Querschnitt durch Nürnbergers Werk aus den letzten fünf Jahren. Ein Versuch, Ordnung in seine Arbeit zu bringen, wie der Künstler sagt. Konzipiert war die Ausstellung ursprünglich als Roman, durch dessen einzelne Kapitel der Ausstellungsbesucher wandern kann. Die Dramaturgie der Räume ist jedoch eine andere. Nun können die Kapitel nur auf Papier eingesehen werden. Hier in der Galerie seien seine Werke vorerst vor ihm sicher, sagt Nürnberger. Im Atelier bestehe die Gefahr, dass sie wieder zerschnitten würden, wenn das Material danach verlange. Alena Dörfler

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